Kingsman: The Secret Service

secret-service-poster“Kingsman: The Secret Service” ist eine echte Überraschung.

Action
Normalerweise langweile ich mich bei Action-Szenen. Doch “Kingsman: The Secret Service” schafft es, dass ich bei jeder Schlägerrei laut lachen muss. Die Action ist so überzogen und die Zeitlupe so perfekt, dass jede Schlägerrei zu einem Höhepunkt wird. Denn anders als die meisten modernen Action-Filme wird hier nicht mit der Kamera rumgewackelt. Sollte mal ein Schlag zu schnell gehen, dann wird eben die Zeitlupe angeworfen. Auch auf zu viele Schnitte wird lieber verzichtet. Wir sehen also alles ganz genau. Das ist ein krasser Unterschied zu den meisten Action-Filmen, welche ihre Spannung (und meist meine Langeweile) aus schnellen Schnitten und einer Wackelkammera ziehen. Danke “Kingsman” für diese wunderschönen Szenen.

Geschichte
Die Geschichte von “Kingsman: The Secret Service” funktioniert. Sie ist als eine Ehrung der alten “James Bond” zu sehen und funktioniert nach altem Schema. Die Vorlage wird eins zu eins kopiert und dann wird men den Dogmen und Erwartungen gebrochen. Das ist spannend und vorallem lustig anzusehen.

Auch wenn ein Großteil der Geschichte nur “ganz gut funtioniert” und die meisten Charaktäre langweilig sind, gibt es doch immerwieder richtige “What the Fuck?!”-Momente. Dann wird das Agenten-Genre so stark übertrieben, dass ich ein paar mal aus dem Stauen garnicht mehr herauskam. Denn “Kingsman: The Secret Service” schafft es extrem zu übertreiben und gleichzeitig nie billig zu wirken. Ganz großes Kino.

Cast
Der Protagonist ist schlecht besetzt. Auch wenn er vom Proletarier zur Elite aufgestiegen ist, sehe ich in ihm immernoch einen “Fußballfan” (Euphemismus-Alarm). Das ist kein stielvoller”James Bond” und auch kein praktischer “Jason Born”. Alle anderen Rollen sind sehr gut besetzt. Samuel L. Jackson ist eine wahre Freude und die anderen Agenten scheinen alle wie aus einem “James Bond” entsprungen.

Alles in allem ist “Kingsman: The Secret Service” absolut sehenswert. Ein wunderbarer Cast, eine abgefahrene Geschichte und wahrlich beeindruckende Momente. Der Protagonist eine langeweilige Rolle besetzt mit einem unpassenden und ebenfalls langewiligen Schauspieler. Aber das kann ich “Kingsman: The Secret Service” tatsächlich verzeihen. Wohl die Beste Komödie seit langem.


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Die Pinguine aus Madagascar

Die Pinguine aus Madagascar - Poster„Die Pinguine aus Madagascar“ ist was er sein möchte: Ein lustiger Film. Die Witz-Dichte ist immer hoch und an Ideen für den nächsten Lacher mangelt es nie. So schafft es dieser Film gefühlt acht Witze pro Minute zu machen, und das konstant. Vom Anfang bis zum Schluss.

Doch irgendwie fehlt da was. Denn spätestens nach ca. 60 Minuten also ca. 500 Witzen bin ich einfach gesättigt. Dann braucht es mehr um mich wirklich bei der Stange halten zu können. Das hat der erste „Madagascar“ oder auch die „Ich Einfach Unverbesserlich“-Filme geschafft. Doch „Die Pinguine aus Madagascar“ kommt über diesen Punkt nicht hinaus.

Zum einen sind die Charaktäre einfach zu schwach. Man merkt einfach, dass es eigentlich Sidekicks sind. Alle vier Pinguine sind extrem flach und vollständig uninteressant. Sie tun interessante Dinge, aber sie selbst sind langweilig. Es wird auch garnicht versucht die Figuren mit Leben zu füllen. Stattdessen werden mehr Witze gemacht. Kein Vergleich zu Marty oder Alex aus „Madagascar“.

Dadurch, dass so wenig Wert auf die Charaktäre gelegt wird, fehlt es dem Film an Identifikationsfiguren. Ich habe einfach nichts mit diesen Figuren zu tun. Warum soll ich mich dafür interessieren wie es ihnen geht? Der Mangel an Identifikationsfiguren schadet natürlich auch meiner Involvierung in die Geschichte und damit der Spannung.

Auch eine Schwäche von „Die Pinguine aus Madagascar“ ist, dass in diesem Film eigentlich nichts verhandelt wird. Anders als in den Pixar-Filmen, gibt es hier keine Meta-Ebene. Es wird garnicht versucht einen intelligenten Film zu produzieren.

Für einen 3D Animations-Film sieht „Die Pinguine aus Madagascar“ auch ziemlich langweilig aus. Anders als noch in dem ersten Teil von „Madagascar“ oder etwa „Wall-E“, “Toy Story 3″ oder „Ich einfach Unverbesserlich“ gibt es hier nichts beeindruckendes zu sehen. Es ist erstaunlich wie visuell langweilig „Die Pinguine aus Madagascar“ eigentlich ist.

Okay, der Bösewicht macht wirklich Spaß und es gibt einige lustige Witze. Aber das reicht nicht für einen guten, ja nicht einmal für einen anständigen Animationsfilm. (4/10)


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Nightcrawler

Nightcrawler - Poster„Nightcrawler“ ist ein Film der weiß was er will. Dieser Film ist unglaublich fokusiert und kann dadurch eine wunderbare Tiefe entwickeln.

Es wird der Protagonist vorgestellt und der Zuschauer verfolgt sein Handeln. Diese Figur haben wir so im Kino noch nicht gesehen, obgleich sie doch sehr einfach ist: Sie tut immer das, was man von ihr erwartet. Sie  muss von mal zu mal schwerwiegendere Entscheidungen treffen, entscheidet sich jedoch immer für die böse, die Erfolgsseite. Die Figur ist also sehr geradlinig und simpel. Das ist die erste Ebene.

Komplexer wird der Film auf der nächsten Ebene: Das Publikum bewertet die Figur immer wieder neu. Wie weit dulden wir das Verhalten dieses Mannes? Erschwerend dabei ist, dass diese Figur unsere einzige identifikationsfigur ist.  Wir verurteilen diesen Mann, gleichzeitig wünschen wir uns, dass er Erfolg hat: Schließlich ist das unser Protagonist.

Auf der nächsten Ebene wird der Film zu Systemkritik. Dieser verachtens- oder bewunderns-werte Mann ist der perfekte Kapitalist. Es gibt in „Nightcrawler“ niemanden, der nicht mit ihm zusammenarbeiten möchte. Die Gesellschaft belohnt ihn für sein Handeln. Er ist wahrlich systemkonform. Wie wir uns zu ihm positionieren ist also gleichbedeutend wie wir uns zu unseren Gesellschaftsordnung positionieren.

Nightcrawler - Poster - Wide

Noch eine Ebene weiter werden wir dann vollends mit einbezogen: Wir das Publikum. In „Nightcrawler“ geht es schließlich um den Film und das Kino selbst. Alles was in diesem Film geschieht ist letztendlich dafür da die Bedürfnisse des Zuschauers zu befriedigen, und damit unser Geld zu bekommen.

Und dann sitzen wir da. In dem Kino-Sessel, Popcorn mampfend und mit unserer Cola in der Hand. Wir, die wir das alles so verachten, sind der Grund für all das. Wir haben das Ticket gekauft um das zu sehen und deshalb geschieht es auch.

Damit sind wir beim Kern des Filmes angelangt. Es ist das Motiv, dass sich in der Handlungsebene, aber auch in der abstrahiertesten Ebene des Filmes zeigt: Der Zuschauer ist niemals nur Zuschauer, der Beobachter ist untrennbar verwoben mit dem Beobachteten.

Ein intelligenter Film, der auch im Nachhinein noch Spass macht. (9/10)


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Interstellar

Christopher Nolans Interstellar - PosterWas Christopher Nolans „Interstellar“ angeht, so wohnen ach, zwei Seelen in meiner Brust:

Auf der einen Seite ist „Interstellar“ nicht der erwartete Sci-Fi-Meilenstein. Nolan erfindet nichts wirklich neu. Alles was wir in „Interstellar“ sehen, haben wir schon zuvor gesehen. Die Geschichte kämpft mal wieder mit ihrer eigenen Zeitreise-Logik und die Charatkere können sich nicht richtig entfalten.

Auf der anderen Seite ist „Interstellar“ ein wunderbarer Vertreter seines Genres. Gut kopiert ist auf jeden Fall besser als schlecht erfunden. Nolan nimmt sich sehr gut funktionierende Bausteine aus seinem Sci-Fi-Baukasten und verbindet sie zu einem gut funktionierenden Sci-Fi-Film. Das ist weder revolutionär noch invoativ, aber das Ergebnis kann sich sehen lassen.

Auch wenn Nolan von den Besten klaut, erreicht er sie leider zu keinem Punkt. Es ist unschwer zu erkennen was für einen gigantischen Einfluss Kubricks „2001 – A Space Odysee“ auf diesen Film hatte. Doch leider kürtzt Nolan den für mich wichtigsten Baustein heraus: Die Mystik. „2001 – A Space Odysee“  ist deshalb so beidruckend, da die Handlung rätselhaft ist. Das macht Kurbicks Meisterwerk zum Vorzeige-Vertreter des Sci-Fi-Genres.

Das Hauptmotiv der Raumfahrt ist das Verlassen des Bekannten, das Vordringen in die Fremde und da ist das Unbekannte, Übermenschliche unerlässlich. Doch in „Interstellar“ wird letztendlich alles erklärt. Es gibt keine Mystik, nichts Transzendentales. Am Ende gibt es keine Fremde und nichts Unbekanntes mehr.

Interstellar - Wide - Space

Kubrick war nie sehr gut in der Charakter-Zeichnung. Die Figuren in „2001 – A Space Odysee“ sind alle nur Mittel zum Zweck. Das funktioniert, da die Figuren auch garnicht menschlich wirken, sie waren nur Repräsentanten der menschlichen Rasse. Leider funktioniert das bei Nolan nicht so gut. Nolan versucht die Figuren in „Interstellar“ menschlich zu zeichnen. Jede Figur hat seine Geschichte und Handelt menschlich. Werte wie Familie und Liebe sind der Motor der Geschichte. Ansich ist das ja gut, würde Nolan nicht auf halber Strecke stoppen: In „Interstellar“ haben die Charaktäre keinen Platz sich zu entfalten.

Alle Figuren sind letzendlich nur damit beschäftigt sich mit der Mission zu befassen. Die gut angelegten Charaktäre haben dadurch keine Möglichkeit komplex oder tatsächlich interessant zu werden. Nolan setzt sich somit zwischen alle Stühle: Er legt wert auf menschliche Charaktäre, lässt ihnen dafür aber nicht genug Raum.

Interstellar - Poster - Wide

Was „Interstellar“ „2001 – A Space Odysee“ tatsächlich voraus hat ist die Technik. Es lassen sich heut zu Tage einfach wunderbare Szenen im All zeigen. Auf der anderen Seite traut sich Nolan aber nicht dem Weltenall auch die Zeit einzuräumen die es verdient hätte. Offensichtlich wird dem heutigen Kino-Publikum nachgesagt, dass es lieber Action anstatt Weltraum-Landschaften sehen will. Das ist, vorallem bei den heutigen CGI-Möglichkeiten, sehr schade.

Nolans „Interstellar“ ist trotzdem sehenswert. Die Geschichte ist durchweg spannend und die Schauspieler sind, allen voran Matthew McConaughey, richtig gut. Das tröstet mich schon fast über die schwachen Charatkäre hinweg.

Das Design aller Schauplätze und aller Zukunftstechnologie in „Interstellar“ hat mich begeistert. Nolan setzte hier, wie schon Kubrick, auf Realitätsnähe. Dabei fallen auch einge wunderschöne Anspielungen an die alten Sci-Fi-Klassiker auf.

Was „Interstellar“ ebenfalls hunderprozentig richtig macht, ist seine Filmmusik. Hans Zimmer lieferte einen, zwar nicht gerade Revolutionären, aber guten Soundtrack ab. Vorallem die eingesetzten Orgeln haben mich umgehauen. Warum werden nicht mehr Orgeln bei Sc-Fi-Filmen verwendet?

Zwar ist „Interstellar“ kein modernes „2001“, aber dafür versucht es ein modernes „2001“ zu sein. (8/10)


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Mr. May und das Flüstern der Ewigkeit

Mr. May und das Flüstern der Ewigkeit - Still Life - Poster“Still Life”, wie der Film im Original heißt, ist wunderbar melancholisch. Die Bilder sind Grau in Grau, die Kamera bewegt sich nicht. Die Straßen sind leer, das Wetter kühl. Überall Menschen mit gebrochenen Herzen, jeder gefangen in seinem kleinen Leben: Wartend auf den Tod.

So kann man sich die ersten zwei Drittel von “Mr. May und das Flüstern der Ewigkeit” vorstellen. Es ist ein ungeheuer leiser Film. Doch in den Nuancen lässt sich eine Entwicklung entdecken. Erst latent und uneindeutig, dann immer offensichtlicher und lauter. In “Still Life” geht es um das Leben und vor Allem um den Tod. Respektvoll werden Lebensgeschichten beleuchtet und selbstverständlich enden alle Geschichten, die das Leben schreibt, mit dem Tod.

Das ist einerseits eine sehr melancholische, gleichzeitig aber auch eine realistische und umfassende Sicht auf die Welt. Dass dieser Film nicht jedem gefällt steht außer Frage. Doch wenn man sich für diese Thematiken, also das Leben selbst und damit natürlich auch den Tod, interessiert, dann wird einem dieser Film auch gefallen. Denn “Mr. May und das Flüstern der Ewigkeit” schafft was er versucht. Würde ein Film versuchen die allumfassende Wahrheit zu diesen Themen zu finden, er würde scheitern. Also behandelt “Still Life” diese Themen respektvoll, intelligent, und mit keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit.

Mr. May und das Flüstern der Ewigkeit - Still Life - Grass

Ein formaler Grund warum “Still Life” funktioniert ist auch der Schauspieler des Protagonisten: Eddie Marsan. Die Figur ist auf der einen Seite kauzig und irgendwie auch klischeehaft, auf der anderen Seite aber auch durchweg glaubhaft. Das liegt einerseits an Eddie Marsan’s Schauspiel, auf der anderen Seite ist er auch einfach die perfekte Besetzung.

Als Kontrast zu der allgemeinen Schwermut des Filmes, hat “Mr. May und das Flüstern der Ewigkeit” wundervolle Momente. Das Essen einer Pastete im Zug, die Unterhaltung mit zwei Obdachlosen. Das Liegen im Grass. Es sind kleine, unauffällige Momente, die “Mr. May und das Flüstern der Ewigkeit” davon abhalten eine Tragödie zu sein.

Denn “Still Life” ist wie das Leben voller Hoffnung, auch wenn es natürlich mit dem Tod endet. (8/10)


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Gone Girl

Gone Girl - Poster“Gone Girl” ist ein Film von David Fincher. Damit reiht er sich in eine Serie von Filmen wie “Fight Club”, “The Game” und dem wunderbaren “The Social Network”.  Dass sich “Gone Girl” mit diesen Filmen messen muss ist natürlich eine sehr große Bürde. Ob gewollt oder nicht, ich sehe Filme stehts in ihrem Kontext, deshalb kann ich “Gone Girl” nicht fair behandeln. Es handelt sich um einen “Fincher”, also muss der Film mir die Schuhe ausziehen und mich umhauen. Ansonsten ist er schon fast eine Enttäuschung.

Es ist erstaunlich, dass “Gone Girl” den ungeheuren Erwartungen standhielt. “Gone Girl” ist natürlich nicht der beste “Fincher”, doch er spielt in der gleichen Liga wie “Fight Club” und “Sieben”. Es ist beeindruckend, wie der Name Fincher einen guten Film nach dem anderen produzieren kann.

Wie ”Fight Club” und “Sieben” ist auch “Gone Girl” mal wieder ein Mindgame-Film. Es geht darum den Zuschauer zu täuschen. Es geht um Wendepunkte, Twists und um die Wahrheit. Das funktioniert hier leider nur teilweise. Denn inzwischen kennen wir Fincher. Nichts ist wie es scheint, und darauf kann man sich verlassen. Ergo weiß der Zuschauer oftmals schon, dass etwas nicht stimmt, nur weil es ihm als die Wahrheit verkauft wird.

Auf der anderen Seite dauert es doch relativ lange, bis der Zuschauer endlich Überblick über die Geschichte erhält. Ich war durchweg interessiert wie es weitergeht. ”Gone Girl” ist durchaus Spannend, obwohl sich über lange Zeit in der Geschichte kaum etwas tut. Auf der anderen Seite gibt es aber auch Passagen, vor allem zum Ende hin, in denen sehr viel geschieht.

Allgemein scheint Fincher bei ”Gone Girl” mehr Wert auf die Figuren und auf deren Machtverhältnisse gelegt haben, als auf die Geschichte. Sowohl der Protagonist, als auch der Antagonist sind sehr interessante Figuren. Beide mit Geheimnissen, die nach und nach gelüftet werden. Beide sind auf ihre Weiße düster und böse. Das ist fesselnd und interessant. Ich kann “Gone Girl” mein Zertifikat für den besten Antagonisten des Jahres ausstellen. Allein dafür lohnt sich die Kino-Karte.

Gone Girl - Rosamund Pike Die Machtverhältnisse zwischen Protagonist und Antagonist verändern sich im Laufe des Filmes immer wieder. Das ist wirklich toll anzusehen und macht den Film immer wieder von neuem interessant. Es geschehen immer wieder Dinge, die unglaublich scheinen, einem aber nicht lächerlich vorkommen. Das macht richtig Spaß.

“Gone Girl” ist ein sehr langer Film, und das merkt man auch. Dieser Punkt ist für mich durchweg positiv. Ich liebe lange Filme. Ich dachte in ”Gone Girl” mehrmals, dass nun das Ende kommt. In solchen Momenten möchte ich immer mehr sehen, möchte länger in dieser Welt verweilen. ”Gone Girl” tut einem den Gefallen und geht immer weiter. Das mag für viele unangenehm und anstrengend sein. Ich liebe das.

Wenn man ”Gone Girl” mit “Fight Club” vergleicht, dann hat es ”Gone Girl” schwer. Das Setting von “Fight Club” ist der Untergrund. Es geht um eine Bande von Männern, die sich heimlich in Kellern treffen und die Welt aufrütteln wollen. Das Setting von ”Gone Girl” ist da weit aus weniger interessant. ”Gone Girl” spielt in einem Vorort und in der Ehe. Die Konflikte sind sehr viel intimer und sehr viel filigraner. Hier werden keine Hochhäuser in die Luft gejagt, kein System gestürzt. In ”Gone Girl” geht es um das Leben zu zweit, um die Liebe, um Zukunftspläne und darum, was die Nachbarn denken.

Doch trotz dem vergleichsweise unspektakulären Setting ist “Gone Girl” ein sehr guter Film. Der Cast ist ein Traum. Vor allem Rosamund Pike ist wirklich beeindruckend. ”Gone Girl” ist stehts spannend, man identifiziert sich sowohl mit dem Protagonisten, als auch mit dem Antagonisten. Es passieren immer wieder Dinge, die einen staunen lassen. Aber das ist ja wenig überraschend. Schließlich ist es ein Fincher. (8/10)


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The Equalizer

The Equalizer - PosterJa, “The Equalizer” ist auch irgendwie billig. Die Geschichte ist in großen Teilen vorhersehbar. Die Hauptfigur ist so übermächtig und so gut, dass man nicht eine Sekunde besorgt um sie ist. Man weiß von Anfang an, dass das Gute siegen wird. Der ganze Film ist vollgestopft mit Stereotypen und Klischees. Da ist der bedürftige Einwanderer, der böse, bärtige Russe und das hilfsbedürftige Mädchen. Teilweise ist die Aktion so übertrieben, dass man den Film nicht mehr ernst nehmen kann.

Doch auf der anderen Seite hat ”The Equalizer” so viel als ausgleich anzubieten: Die Ästhetik ist zwar einfach (man könnte ”The Equalizer” auch “Die Gelben Seiten, der Film” nennen), aber sie funktioniert. Der ganze Film ist visuell toll gestaltet. Die Bilder sind gleichzeitig simpel, alltäglich und schön.

Die Geschichte ist zwar weder spannend, noch kann man sie ernst nehmen, doch aus irgend einem Grund möchte man einfach wissen wie es weitergeht. Man will den bösen Russen scheitern sehen, man will das unausweichliche beim Eintreten beobachten. Die Geschichte ist wie ein unrealistischer, etwas simpler Traum. Doch auch wenn man weiß, dass es ein Traum ist, so möchte man sehen wie das Gute siegt. Der ganze Verlauf der Geschichte ist letztendlich sehr befriedigend. Es wird einfach genau das gezeigt, was der Zuschauer sehen möchte.

Trotz all der Simplizität dieses Filmes, kann man seinen Machern ein hohes Maß an handwerklichem Geschick nicht absprechen. Die Dialoge ist durchweg fesselnd. Das liegt auch daran, dass die Charaktere alle stark gezeichnet sind. Zwar sind die Figuren durchweg Stereotype, doch auf der anderen Seite sind sie alle so extrem, dass es interessant ist sie miteinander interagieren zu sehen.

Was mich an “The Equalizer” wirklich gewundert hat ist die Tatsache, dass der Film sich so viel Zeit nimmt. Die der Protagonist und die Ausgangssituation werden lange vorgestellt. Dabei hat der Film von Anfang an sehr viele leise Momente. Es ist erstaunlich wie gut hier Action eingesetzt wird. Denn Alles beginnt im Stillen und wird dann immer lauter, bis zuletzt alles explodiert. “The Equalizer” beginnt also als Drama und entlädt sich dann als Action-Film.  Das funktioniert sehr gut. Die leisen Passagen wirken so noch besinnlicher und intimer, und die lauten Stellen krachen umso mehr.

“The Equalizer” erfindet nichts neu, wird ja sogar von Klischees am laufen gehalten. Doch alles in allem hat mir ”The Equalizer” gut gefallen. Es ist ein Action-Film, der sich Zeit nimmt, dem seine Figuren wichtig sind und der zeitweise erstaunlich leise daherkommt. Wenn Action, dann so. (7,5/10)

 


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Who Am I

Who Am I - Kein System ist sicher - PosterDer Film ”Who Am I” hatte es bei mir von vorne herein nicht einfach. Denn er verbindet zwei Genres, bei denen ich ziemlich genau hinsehe:

Einmal ist “Who Am I” ist ein Heist-Movie. Es geht, wie in den Ocean-Filmen oder zuletzt in “Now you see me”, um einen Einbruch oder allgemein gesagt um einen Coup. Ein Zaubertrick wird aufgeführt und am Ende wird die Story erneut erklärt. Nichts ist wie es scheint, der Zuschauer wird immer wieder an der Nase herum geführt. In diesem Genre ist es sehr wichtig, dass die Story logisch und möglichst fehlerfrei ist. Denn sonst passiert es schnell, dass der Zuschauer sich am Ende für dumm verkauft fühlt. Doch schöner Weise habe ich die kleinen Logik-Aussetzer von ”Who Am I” dem Film schnell verziehen. Zu klein und zu unbedeutend sind sie.

Das zweite Genre, welches ”Who Am I” bedient, ist der Hacker-Film. Der Protagonist aus ”Who Am I” ist eindeutig als Nerd zu klassifizieren. Er kann “Maschinensprache lesen”, hat dafür aber Probleme mit der Sprache seines Umfelds. Dass ich Hacker-Filmen meist eher skeptisch gegenüber stehe liegt daran, dass sie oft haarsträubende Behauptungen über Software, Programmieren und  Hacken aufstellen. Hier ist auch ”Who Am I” keine wirkliche Ausnahmen. Doch das vorher angesprochene ”Maschinensprache lesen” ist eigentlich der gröbste Schnitzer, den sich der Film leistet.

Who Am I - Subway - Cyberspace - Online

Denn auf der anderen Seite punktet der Film auch mit ein bisschen Fachwissen über IT-Sicherheit. Es fallen Begriffe wie “DoS”, “IRC”, “Social-Engineering” und sogar Kevin Mitnicks Buch “Die Kunst der Täuschung” wird erwähnt. Da ist die Szene in der das ”Maschinensprache lesen” vorkommt doch recht schnell wieder vergessen und verziehen.

Man merkt den starken Einfluss David Finchers auf  ”Who Am I”. Der Film scheint tatsächlich ein direkter Nachfahre von dem Heist-Film “Fight Club” und dem Hacker-Film “The Social Network” zu sein. Diese Einflüsse versucht ”Who Am I” aber gar nicht zu verstecken. So ist z.B. einmal ziemlich prominent ein Filmplakat von “Fight Club” zu sehen, und immer wieder taucht ein Stück des “The Social Network”-Soundtracks auf. Doch auch wenn die Referenzen sehr klar zu erkennen sind, ist “Who Am I” ein neuer und inhaltlich unabhängigen Film.

Auch wenn “Who Am I” dem direkten Vergleich mit “The Social Network” eindeutig nicht standhalten könnte ist die Geschichte packend und unvorhersehbar, die Charaktere sind nachvollziehbar und scharf gezeichnet. Fast alle wichtigen Figuren sind interessant und werden gut gespielt. Man merkt an dem Schauspiel, dass es sich um eine deutsche Produktion handelt. Die Schauspieler, mit Ausnahme von Elyas M’Barek, spielen extrem leise und klein. Die Geschichte ist durchdacht und offenbart noch nach langem Nachdenken einige Feinheiten. Es tauchen Metaphern auf, die mir erst Zuhause, viel Später, aufgefallen sind. Eine klug geschriebene Geschichte.

“Who Am I” wartet sogar mit eine stilistischen Überraschung auf: Die Hacker treffen sich schließlich vor allem online. Sie tauschen sich aus, interagieren mit einander. Um diesen, ja an sich ganz und gar unvisuellen Vorgang, zu visualisieren, haben sich die Macher dieses Filmes eine tolle Bildsprache einfallen lassen. Allein für die Szenen, die im Cyberspace spielen, lohnt es sich ”Who Am I” zu sehen. (8/10)


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Die Backstorywound

Was ist das?
Die Backstorywound ist eine Möglichkeit Figuren zu Charakterisieren und die Geschichte voran zu treiben. Die Backstorywound ist eine Wunde, die sich die Figur vor der eigentlichen Geschichte zugezogen hat. Diese Wunde motiviert oder beeinflusst das Verhalten der Figur. Gleichzeitig ist die Backstorywound oftmals etwas, das es zu überwinden gilt.

Die Backstorywound ist also ein mächtiges Werkzeug um zu erklären, warum eine Figur handelt und stellt ein Ziel, eine Richtung, in der Geschichte dar. Oftmals wird die Bachstorywound als latentes, verstecktes Problem etabliert. Der Held bekämpft nun in einer Reise des Helden das offensichtliche Problem und bewältigt dabei seine Bachstorywound. Es ist aber nicht immer der Fall, dass die Backstorywound verarbeitet wird. Manchmal wird die Backstorywound nur für die Motivation der Figur eingesetzt und die Wunde wird nie geheilt.

Beispiel:
Ein Detektiv bekommt den Auftrag ein entführtes Kind zu finden. Dieser Detektiv beginnt nun, während der Ermittlungen, sich an seine eigene, verdrängte Kindheit zu erinnern. Man erfährt, dass der Detektiv als Kind misshandelt wurde. Der Detektiv setzt deshalb alles daran das Kind zu finden, da er in dem Kind seine eigene Geschichte sieht. Er will das Kind vor den Entführern retten und den sorgenden Eltern zurück bringen. Die Suche nach dem Kind wird zur Bewältigung seiner eigenen, verdrängten Erinnerungen an seine Kindheit. Der äußere Konflikt (das Kind finden) und der innere Konflikt (Vergangenheit bewältigen) werden parallel angegangen. In dieser Situation ist es auch glaubwürdig, wenn der Detektiv die Grenzen der Legalität überschreitet. Es geht hier nun schließlich um mehr als um einen normalen Auftrag. Es geht auch um das seelische Heil des Detektivs. Wenn der Detektiv nun das Kind findet, so kann er möglicherweise auch seine Vergangenheit bewältigen. Findet er es nicht, so ist er verloren.

Beispiele aus der Filmgeschichte:

Das Schweigen der Lämmer – Die FBI-Agentin Clarice Starling hat als Kind die Schlachtung von Lämmern miterlebt. Das Schreien dieser Lämmer geht ihr nicht mehr aus dem Kopf. Sie will unbedingt den Serienmörder Buffalo Bill finden und seine Gefangene  rettet. Sie hofft, dass die Lämmer dann endlich schweigen.

Gravity – Die Wissenschaftlerin Ryan Stone hat ihre Tochter verloren. Sie hadert mit sich und der Welt. Während ihrer reise durch das Weltall verarbeitet sie den Verlust und wird dann am Ende wiedergeboren. Als sie wieder auf der Erde ankommt ist sie wieder im reinen mit sich, der Welt und dem Schicksal ihrer Tochter.

Taxi Driver - Travis Bickle, der New Yorker Taxi-Fahrer ist ein Vietnam-Veteran. Seine Erlebnisse im Krieg werden zwar nie genau geschildert, doch sie haben einen großen Einfluss auf sein Handeln. Travis Bickle schläft nicht, weshalb der Film viel bei Nacht spielt. Er kommt in der Gesellschaft nicht mehr zurecht. Er hat den Umgang mit anderen Menschen verlernt.  Für ihn ist der Großstadtdschungel gleich dem Dschungel in Vietnam. Diese Backstorywound motiviert und erklärt das sonderbare Verhalten der Figur. Sie erfährt aber keine Heilung.


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Die Filmanalyse

Die Filmanalyse anhand der vier Perspektiven “Handlung”, “Figuren”, “Bauformen” und “Normen und Werte” ist ein gutes Werkzeug für die Interpretation eines Filmes. Anhand dieser vier Perspektiven lässt sich wissenschaftlich, also systematisch und vor allem nachvollziehbar ein Film interpretieren.

Die Filmanalyse stützt sich auf folgende vier Schritte:

1. Handlung:
Was geschieht? Warum geschieht es? Wie ist die Handlung strukturiert? Wo und Wann spielt die Handlung? Wie verändern sich Ort/Zeit während der Geschichte? Gibt es Parallelhandlungen? Wer/Was ist der Handlungsmotor?

Hier mein Artikel: Filminterpretation – Handlungsanalyse

2. Figuren:
Wer handelt? Was macht die einzelnen Figuren aus? Wie sind die einzelnen Figuren Situiert? Gibt es unterschiedliche Fraktionen? Was für eine Figurenkonstellation besteht? Gibt es klassische Rollen/Klischees? Wie sind die Stars besetzt? Wer sind die Protagonisten? Sind die Figuren statisch oder dynamisch? Wohin geht die Entwicklung?

Hier mein Artikel: Filminterpretation - Figurenanalyse

3. Bauformen:
Wie wird die Handlung und die Figuren dargestellt? Welche Kamera-Perspektiven und Eistellungen? Wie wird Licht und Schatten eingesetzt? Auffällige Montagen? Formalspannung und Schnittfrequenz? Was transportieren Musik und Geräusche? Gibt es dominierende Farben? Wie sind die Handlungsräume aufgebaut?

Hier mein Artikel: Filminterpretation – Analyse der Bauformen

4. Filminterpretation, Analyse der Normen und Werte:
Welche Werte werden vermittelt? Was stellt der Film als “gut” und was als “böse” dar? Gibt es Symboliken? Gibt es eine “Nachricht” an den Zuschauer? Wie fügt sich der Film in die Biographie und das Machwerk des Regisseurs ein?  Wie steht der Film zur Literatur- und Filmgeschichte? Wie steht der Film in Verbindung mit der Situation der Gesellschaft? Wie fügt sich der Film in sein Genre ein?

Hier mein Artikel: Filminterpretation – Analyse der Normen und Werte

Es sollten alle vier Perspektiven nacheinander eingenommen werden, um den Film unter dem jeweiligen Blickwinkel mit den jeweiligen Fragestellungen zu untersuchen. Dabei ist zu beachten, dass jede der vier Perspektiven jeweils nur ein Blickwinkel auf den gleichen Film ist. Bei einer Interpretation sollten also immer alle vier Perspektiven beachtet werden. Da es ein Film ist, sollten auch alle Perspektiven auf die gleiche Botschaft hindeuten. Ist dies nicht der Fall, so gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder ist der Film in sich nicht schlüssig oder die Analyse war fehlerhaft. Es ist also entweder dem Filmemacher oder dem Analytiker ein Fehler unterlaufen.

Es ist sinnvoll die vier Perspektiven in der vorgegebenen Reihenfolge einzunehmen, da die Bearbeitung der Fragestellungen immer schwerer werden. Die Handlung lässt sich meist noch leicht zusammenfassen. Die Figuren definieren sich jedoch meist auch durch die Handlung. Es wäre also ratsam die Handlungsanalyse an diesem Punkt abgeschlossen zu haben.

Richtig schwierig wird es spätestens bei der Analyse der Bauformen. Es stellt sich die Frage: Was ist wichtig? Es wäre sehr aufwändig wirklich alle Bauformen des Filmes unter die Lupe zu nehmen. Es ist besser bereits eine Idee davon zu haben, worum es in dem Film gehen könnte. Man sollte also die Handlungs- und Figurenanalyse abgeschlossen haben. Dann können gezielt Schlüsselszenen auf ihre Bauformen hin untersucht werden.

Die Analyse der Normen und Werte und die eigentliche Interpretation ist nur lösbar, wenn man sich in dem Film sehr gut auskennt. Mit dieser Perspektive anzufangen würde bei vielen Filmen zu keinem Ergebnis führen. Daher ist es ratsam die vier Perspektiven in der vorgegebenen Reihenfolge zu bearbeiten.


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