Auge um Auge

Auge um Auge - PosterAuch wenn ich normaler Weiße nichts mit Rache-Filmen anfangen kann, so hat mir “Auge um Auge” danke seiner tollen Umsetzung sehr gut gefallen. Es ist ein sehr Zurückgewandter Film. Ein Film der ganz den alten Zeit nachtrauert, sowohl in Inhalt als auch in Form. Und auch wenn meine Einstellung das Gegenteil von konservativ ist, so werde ich trotzdem gepackt, von diesem Film und  seinem melancholischen Blick zurück auf die alte Zeit.

So wurde “Auge um Auge” tatsächlich noch auf Film gedreht. Dadurch werden die Farben stärker und man spürt den Flair der vergangenen Zeiten des Kinos. Es ist kein aufdringlicher Effekt, doch er wirkt. Dazu kommt die langsame und figurenbezogene Erzählweise des Films. Es gibt nur drei wirklich wichtige Personen in “Auge um Auge”: Die Brüder Baze und der Antagonist. Es sind nur diese drei Personen, auf die sich der ganze Film bezieht, durch die er sich definiert. Das funktioniert wunderbar, da alle drei Figuren genügend Zeit haben sich voll zu entfalten.

Auch der Inhalt des Films scheint sehr Vergangenheitsbezogen. Er spielt in einer kleinen Stadt in den USA, im Nirgendwo, weit weg von den schillernden Metropolen. Die erste Szene des Films findet in einem Autokino statt. Überall altmodische, amerikanischen Geländewägen. Man denkt instinktiv an die Siebziger, als es noch Autokinos gab, und diese Autos modern waren. Doch in der nächsten Szene sieht man im Hintergrund auf einem alten Fernseher eine Rede Obama’s. Dieser Film spielt in der Gegenwart. Doch der Ort und die Leute in dieser Region haben sich über die letzten Jahrzehnte scheinbar kaum verändert.

Der Protagonist arbeitet in einem Stahlwerk. Es ist eine alte, archaische Industrie. Doch nicht nur das: Im Kino ist das Stahlwerk ist seit 1978 von dem Film “The Deer Hunter” mit einer großen Bedeutung belegt. Es ist ein alter Film, ein Film über den Vietnamkrieg. Auch in “The Deer Hunter” arbeitet der Protagonist zu Anfang in so einem Stahlwerk. Doch dann geschieht die Katastrophe: Er wird einberufen. Er und die Welt um ihn herum werden durch Vietnam verändert. Und als er wieder nach Hause kommt ist nichts mehr so wie es war.

“Auge um Auge” hat eine ganz ähnliche Struktur: Dem einen der beiden Brüder widerfährt ein Unglück und der andere wird in den Irak geschickt. Beide erleben eine Katastrophe und als sie zurückkehren ist nichts mehr so wie es war. Die Anlehnung von “Auge um Auge” an “The Deer Hunter” von 1978 wird noch offensichtlicher, als der eine der beiden Brüder mit seinem Onkel “Hirsche jagen” geht.

Dieser Film ist eine Ehrung der Vergangenheit. Doch gleichzeitig zeigt er wundervoll die Vergänglichkeit des alten. So war die Heimatstadt der beiden Brüder mal eine Wirtschaftsmetropole. Heute stehen fast nur noch Ruinen. Nur das Stahlwerk ist noch in Betrieb. Vor vielen Jahren arbeitete hier schon der Vater der Protagonisten. Doch dieser liegt nun im Sterben und das Stahlwerk wird bald geschlossen. In “Auge um Auge” verschwindet die Vergangenheit und nichts bleibt zurück.

Es ist ein toller Film: Christian Bale, Woody Harrelson und Casey Affleck spielen leise und doch ungeheuer stark. Die Geschichte fesselt und die Bilder faszinieren. “Auge um Auge” ist vielschichtig, aber in seiner Aussage nicht vollkommen festgelegt. Ein Film zum Fühlen und Denken. Wem das gefällt, der sollte “Auge um Auge” gesehen haben. (8/10)


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