2. Figurenanalyse

Die Figurenanalyse ist ein wichtiger Schritt für die Interpretation eine Filmes. Oftmals ist sie der zweite von vier Schritten in der Filmanalyse. Mehr zu den anderen Schritten: Filmanalyse – Überblick

Es macht Sinn die Figuren in Haupt- und Nebenfiguren einzuteilen. Besonders ergiebig bei der Figurenanalyse ist meist der erste Auftritt der jeweiligen Figur. Da der Protagonist eine der wichtigsten Figur jedes Filmes ist, sollte auf seinen Auftritt besonders geachtet werden. Hier ist meist für die Interpretation sehr viel zu holen.

Protagonisten:
Es handelt sich um einen Protagonisten, wenn die Figur im Wahrnehmungszentrum des Filmes steht, sprich die meiste Leinwand-Zeit hat. Der Protagonist ist die Schlüsselfigur zum Film, er hält die Handlung zusammen. Alles bezieht sich irgendwie auf ihn. Oft ist der Protagonist absichtlich undefiniert und langweilig gehalten. Dadurch bildet er eine Art Leerstelle im Film, in die sich jeder Zuschauer hineinversetzen kann. In diesem Fall kann der Zuschauer den Film durch seine Perspektive erleben. Die meisten Filme werden aus der Perspektive dieser Figur erzählt.

Protagonisten-Paare:
Es kann durchaus mehrere Protagonisten in einem Film geben. Oftmals werden dafür paare Verwendet. Die Protagonisten sind dann manchmal ähnlich aber meist auch sehr gegensätzlich. Z.B.: Dick und Doof, Max und Moritz, Herr und Diener, Star und Fan, Cowboy und Indianer, Vampier und Jungfrau, Schöne und Biest.

Antagonisten:
Der Antagonist ist der Gegenspieler des Protagonisten. Er tut alles, dafür zu sorgen, dass der Protagonist seine Ziele nicht erreicht. Diese Figur muss es nicht in jedem Film geben.

Held / Anti-Held:
Protagonisten sind oft Helden, sind es aber nicht zwangsweise. Ein Held ist positiv und strahlend. Er ist durch und durch gut und bewundernswert. Er ist der Ritter in strahlender Rüstung. Der Anti-Held ist negativ gehalten. Er ist normal oder negativ besetzt. Er ist feige, böse oder ihm ist alles egal. Es gibt auch einige Anti-Helden als Protagonisten.

Figurenkonstellation:
Wie stehen die Figuren zueinander? Es werden oft wiederkehrende Muster verwendet. Z.B.: Individuum gegen Gesellschaft, Frau zwischen zwei Männern, Gruppe gegen Gruppe, Romeo und Julia.

Rollen:
In vielen Genres gibt es klassische Figuren, die in nahezu jedem, dem Genre zugehörigen, Film vorkommen. Das sind dann Rollen. So z.B. im Western: Cowboy, Farmer, Sheriff oder Saloon-Wirtin. Im Film-Noir wäre es z.B. der Detektiv, der Korrupte Politiker oder der Auftragsmörder.

Typen:
Film ist voll von Stereotypen, also Klischees.  Es sind Arten von Figuren, die nicht weiter erklärt werden müssen, da sie schon oft gezeigt wurden. Dazu gehört z.B. der Typ des Gentlemen, Rebell, ewige Verlierer, Super-Action-Held, Sexbombe, Gefährte oder Lehr-Meister. Typen werden oft für Nebenfiguren verwendet, für die man nicht viel Zeit für die Etablierung aufwenden möchte. Durch ihre Einfachheit und ihre Bekanntheit lässt sich mit Hilfe von Typen, in jedem Film und  innerhalb kurzer Zeit, ein großes Figureninventar anlegen. Oft werden Typen auch für den Protagonisten verwendet. In guten Filmen wird der Typ des Protagonisten meist etwas modifiziert um ein etwas komplexeren Charakter zu schaffen.

Dimensionalität und Komplexität:
Man spricht von einer mehrdimensionalen oder komplexen Figur, wenn diesen eine besonders lange Liste an Eigenschaften zugerechnet wird, sie in sich widersprüchlich ist, sie eine Entwicklung durchmacht, also immer dann wenn sie nicht in ein paar wenigen Sätzen vollständig beschrieben werden kann. Solche Figuren brauchen meist viel Zeit im Film um soweit entwickelt zu werden. Das bedeutet, dass nur Hauptfiguren, meist nur die Protagonisten oder der Antagonist so genau beschrieben werden. Nebenfiguren sind meist simpel und eindimensional.

Statisch oder Dynamisch:
Dynamische Figuren machen im Laufe des Filmes eine Wandlung oder Entwicklung durch. Sie verändern sich während des Filmes. Statische Figuren hingegen bleiben immer gleich. Meist sind nur die Protagonisten dynamisch. Nebenfiguren sind meist statisch. Die Entwicklungsrichtung der dynamischen Figuren eines Filmes ist meist sehr ergiebig für die Interpretation.

Setting:
Das Setting einer Figur ist ihre Situierung. Zu welcher Gruppierung gehört die Figur? Zu welcher Gesellschaftsschicht gehört sie? Ist sie arm oder reich, alt oder jung, Mann oder Frau, Land oder Großstadt, Sportler oder Nerd.

Casting:
Es hat eine Bedeutung, welcher Schauspieler für die jeweilige Figur besetzt wurde. Ist es George Clooney oder John Wayne? Ist es Scarlett Johansson oder Jennifer Aniston? Die vorhergehenden Rollen der jeweiligen Schauspieler gehen an diesen nicht unbesehen vorbei. Das kollektive Kino-Gedächtnis vergisst nicht so schnell.

Arten der Charakterisierung:

  • Selbst-Charakterisierungen nimmt die Figur selbst vor. Sie sagt z.B.: “Ich habe in ‘nam gedient”.
  • Fremd-Charakterisierung werden von anderen Figuren ausgesprochen. Z.B.: “Er ist dürben verrückt geworden”.
  • Erzähler-Charakterisierung wird vom Film vorgenommen. Z.B. wird eine Figur immer von Unten und im Schatten gezeigt. Dadurch wird die Figur bedrohlich und geheimnisvoll.

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  1. [...] 2. Figuren: Wer handelt? Was macht die einzelnen Figuren aus? Wie sind die einzelnen Figuren Situiert? Gibt es unterschiedliche Fraktionen? Was für eine Figurenkonstellation besteht? Gibt es klassische Rollen/Klischees? Wie sind die Stars besetzt? Wer sind die Protagonisten? Sind die Figuren statisch oder dynamisch? Wohin geht die Entwicklung? Hier mein Artikel: Filminterpretation - Figurenanalyse [...]

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