3. Analyse der Bauformen

Die Analyse der Bauformen ist der dritte Schritt von vieren in der Filmanalyse. In manchen, meist märchen- oder sagenhaften Filmen weißen die Bauformen schon unmissverständlich auf die Message des Filmes hin, in anderen, realistischeren filmen, werden die Bauformen nur latent und unterschwellig verwendet. In einem gewissen Maße sind die Bauformen aber immer wichtig für die Interpretation eines Filmes.

Hier geht es zu den anderen vier Schritten: Filmanalyse – Überblick

Einstellung:
Die Einstellung ist die kleinste Einheit des Filmes. Sie markiert die Zeit zwischen zwei Schnitten.

Einstellungsgröße:
Die Einstellungsgröße hat zwei wichtige Effekte: Wenn die Kamera sich weit weg befindet, also die Einstellungsgröße groß ist, dann ist mehr von der Szenerie, dem Raum zu sehen. Der Zuschauer bekommt Informationen über den Handlungsort. Der zweite Effekte ist, dass sich der Zuschauer auch distanzierter fühlt. Er steckt nicht mitten im Geschehen, sondern bleibt eben ein Zuschauer.

Bei einer Nahaufnahmen, also einer kleinen Einstellungsgröße, ist die Kamera mitten im Geschehen. Es ist zwar weniger zu sehen, dafür sehen wir es genauer. Das erzeugt Spannung, da wie nie wissen, was zwei Meter weiter geschieht. Wir haben nicht den Überblick, den wir in der großen Einstellungsgröße hätten. Dafür verbindet und identifiziert sich der Zuschauer mehr mit dem Gezeigten. Die Distanz zwischen Zuschauer und Film wird kleiner.

Dieser Effekt, der entweder emotionale Nähe oder eben Distanz für den Zuschauer schafft, wird oft für die Charakterisierung einer Figur verwendet. Protagonisten werden häufig näher und in kleineren Einstellungsgrößen gezeigt, als Antagonisten.

Perspektive:
Die Perspektive beschreibt, wo sich die Kamera relativ zum Gefilmten befindet. Den größten Effekt dabei hat die Höhe der Perspektive. Eine Aufnahme von Oben, die Vogelperspektive lässt das Gezeigte kleiner werden. Es ist überschaubar, beherrschbar. Eine Einstellung von Unten hingegen lässt das Gezeigte schwer und groß wirken. Es wirkt unüberschaubar und bedrohlich.

Diese Effekte werden häufig bei Aufnahmen von Figuren oder Gebäuden verwendet. Beachtet man Perspektive und Einstellungsgröße, so lassen sich oft schon recht gute Charakterisierungen von Figuren anfertigen.

Subjektive Kamera:
Manchmal wird eine Handlung direkt aus der Sicht einer Person gezeigt. Dadurch wird eine maximale Identifikation des Zuschauers mit der Figur bewirkt. Der Zuschauer ist die Figur. Besonders reizvoll ist diese Perspektive bei einer Figur einzusetzen, mit der sich der Zuschauer eigentlich nicht identifizieren möchte.

Zum Beispiel: In “Das Schwiegen der Lämmer” wird der Zuschauer kurz zu dem psychisch kranken Serienmörder. Der Zuschauer seiht aus seiner Perspektive, wie er den Protagonisten verfolgt um diesen zu töten.

Einstellungslänge:
Die Einstellungsläge beschreibt die Zeit wie lange nicht geschnitten wird. Sie beeinflusst sehr stark unsere Wahrnehmung von Dynamik. Eine Sequenz, in der nichts passiert könnte man als statisch bezeichnen. Wenn aber immer wieder die Kameraperspektive geändert und jede Sekunde um geschnitten, sprich die Einstellungslänge ist kurz, dann würden wir die Sequenz als sehr dynamisch wahrnehmen. Dieses Phänomen machen sich vor allem Action-Filme und Musik-Videos zu nutze.

Formalspannung und Schnittfrequenz:
Die Formalspannung ist abhängig von der Einstellungslänge oder Schnittfrequenz. Man rechnet Formalspannung = Schnitte / Zeit. Je höher die Zahl, desto “schneller”, spannender und dramatischer ist der Film an diesem Punkt. Durch diesen Wert lassen sich oftmals Dramaturgische Veränderungen und Rhythmen im Film ausmachen.

Handlungs- und Wahrnehmungsachse:
Die Wahrnehmungsachse besteht immer zwischen Zuschauer und Leinwand. Meistens schaut der Zuschauer senkrecht auf die Leinwand. Die Handlungsachse hingegen verändert sich immer. Oftmals ist sie gleich mit der Wahrnehmungsachse des Protagonisten. Schaut er vom Zuschauer weg? Schaut er nach rechts oder links?

Besonders interessant ist es wenn die Handlungsachse und die Wahrnehmungsachse des Zuschauers gleich sind. In diesem Fall schaut die Figur dem Zuschauer in die Augen. Die vierte Wand wird durchbrochen. Die Figur weiß, dass sie eine Figur in einem Film ist und interagiert mit dem Zuschauer. Z.B.: Magnolia, This is England.

Montage:
Unter Montage versteht man die Anordnung und damit die Verbindung von mehreren Einstellungen. Als erstes ist zwischen Parallel- und sequenzieller Montage zu unterscheiden. Parallelmontagen zeigen zwei oder mehrere Handlungsstränge gleichzeitig. Es werden entweder mehrere verschiedene Orte oder mehrere unterschiedliche Zeitabschnitte gleichzeitig gezeigt.

Erstes Beispiel: Bewaffnen sich die Bankräuber auf dem Parkplatz, währen in der Bank ein Kunde etwas auf sein Konto einzahlen möchte. Zweite Beispiel: Der Detektiv findet Spuren an einem Tatort, während gleichzeitig die eigentliche Tat, die sich hier zugetragen hat, gezeigt wird. In dem einen Fall werden zwei Unterschiedliche Orte zu gleichen Zeit gezeigt, im anderen Fall wird der gleiche Ort zu unterschiedlichen Zeiten gezeigt.

Eine Weitere interessante Montageform ist die Planseqzuenz. Hier wird ohne zu schneiden eine Handlung über einen längeren Zeitraum gezeigt. Bei Magnolia wird ein Junge über mehrere Minuten hinweg durch einen Fernsehsender geführt. Die Kamera folgt ihm ohne einen Schnitt.

Musik und Geräusche:
Sowohl Musik alsauch Geräusche lassen sich so vielseitig für die Generierung von Atmosphäre oder das filmische Erzählen nutzen, dass ich hier nicht weiter darauf eingehen kann. Nur ein paar Beispiele: In “Forrest Gump” gibt die Musik, die viel aus bekannten Songs besteht, Informationen über die jeweilige Zeit.

In den “Star Wars”- oder “Herr der Ringe”-Filmen werden für allerlei Figuren oder Themen im Film bestimmte Musik-Stücke und Melodien geschaffen. Immer wenn eine der Figuren auftritt oder ein Thema angesprochen wird, so beginnt die Filmmusik die spezifische Melodie mal offensichtlich, mal latent einfließen zu lassen. Die Musik untermahlt hier präzise die Geschehnisse, fügt aber nichts neues hinzu.

In “A Clockwork Orange” spielt Kubrick klassische Musik zu Aktion- und Gewalt-Szenen. Die Musik untermahlt nicht das geschehene, sondern sorgt für einen Kontrast. Sie sorgt für Irritation beim Zuschauer und gibt dem gezeigten eine weitere Dimension. Hier fügt die Musik etwas neues zu der Erzählung hinzu.

Raum:
Als aller erstes sollte man zwischen Innen- und Außenräumen unterscheiden. Raum definiert sich durch seine Grenzen. Das wichtigste sind also die Wände, Boden und Decke. Ist der Raum groß und frei oder engt er ein, erstickt einen fast. Hängt die Decke tief oder hat man Platz bis zum Himmel. All das lässt sich wunderbar einsetzen um Atmosphäre zu generieren. Es ist Oft ergiebig zu analysieren, wo sich die Figuren im Verhältnis zueinander im Raum befinden.

Licht:
Der Einsatz von Licht wird oft zur Erzeugung einer gewissen Atmosphäre verwendet. Dabei sind vier Parameter wichtig: Position, Intensität, härte und Farbe. Kommt ein schwaches Licht z.B. von Unten, wirft harte Schatten und ist eher rötlich, so hat es eine entstellende Wirkung. Alle Menschen sehen wie Monster aus, das Rot erinnert an Blut und man verliert, wegen des mangels an Licht, den Überblick. Meistens wird Licht jedoch subtiler eingesetzt.

Farbe:
Farben können in Filmen zentral eingesetzt werden. Gibt es Fraktionsfarben? Gibt es Farbsymboliken? Werden verschiedene Welten durch ihre Farbgebung getrennt? Es lässt sich wenig allgemein zu der Verwendung von Farben in Filmen sagen. Die Farbbedeutung muss immer am Werk selbst gelöst werden. Dabei ist aber zu beachten, dass Farben sehr viele Bedeutungen haben können. Weiß z.B. kann für Tod, aber auch für Unschuld stehen. Grün kann für Hoffnung stehen, aber auch Natur.


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  1. [...] 3. Bauformen: Wie wird die Handlung und die Figuren dargestellt? Welche Kamera-Perspektiven und Eistellungen? Wie wird Licht und Schatten eingesetzt? Auffällige Montagen? Formalspannung und Schnittfrequenz? Was transportieren Musik und Geräusche? Gibt es dominierende Farben? Wie sind die Handlungsräume aufgebaut? Hier mein Artikel: Filminterpretation – Analyse der Bauformen [...]

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