Who Am I

Who Am I - Kein System ist sicher - PosterDer Film ”Who Am I” hatte es bei mir von vorne herein nicht einfach. Denn er verbindet zwei Genres, bei denen ich ziemlich genau hinsehe:

Einmal ist “Who Am I” ist ein Heist-Movie. Es geht, wie in den Ocean-Filmen oder zuletzt in “Now you see me”, um einen Einbruch oder allgemein gesagt um einen Coup. Ein Zaubertrick wird aufgeführt und am Ende wird die Story erneut erklärt. Nichts ist wie es scheint, der Zuschauer wird immer wieder an der Nase herum geführt. In diesem Genre ist es sehr wichtig, dass die Story logisch und möglichst fehlerfrei ist. Denn sonst passiert es schnell, dass der Zuschauer sich am Ende für dumm verkauft fühlt. Doch schöner Weise habe ich die kleinen Logik-Aussetzer von ”Who Am I” dem Film schnell verziehen. Zu klein und zu unbedeutend sind sie.

Das zweite Genre, welches ”Who Am I” bedient, ist der Hacker-Film. Der Protagonist aus ”Who Am I” ist eindeutig als Nerd zu klassifizieren. Er kann “Maschinensprache lesen”, hat dafür aber Probleme mit der Sprache seines Umfelds. Dass ich Hacker-Filmen meist eher skeptisch gegenüber stehe liegt daran, dass sie oft haarsträubende Behauptungen über Software, Programmieren und  Hacken aufstellen. Hier ist auch ”Who Am I” keine wirkliche Ausnahmen. Doch das vorher angesprochene ”Maschinensprache lesen” ist eigentlich der gröbste Schnitzer, den sich der Film leistet.

Who Am I - Subway - Cyberspace - Online

Denn auf der anderen Seite punktet der Film auch mit ein bisschen Fachwissen über IT-Sicherheit. Es fallen Begriffe wie “DoS”, “IRC”, “Social-Engineering” und sogar Kevin Mitnicks Buch “Die Kunst der Täuschung” wird erwähnt. Da ist die Szene in der das ”Maschinensprache lesen” vorkommt doch recht schnell wieder vergessen und verziehen.

Man merkt den starken Einfluss David Finchers auf  ”Who Am I”. Der Film scheint tatsächlich ein direkter Nachfahre von dem Heist-Film “Fight Club” und dem Hacker-Film “The Social Network” zu sein. Diese Einflüsse versucht ”Who Am I” aber gar nicht zu verstecken. So ist z.B. einmal ziemlich prominent ein Filmplakat von “Fight Club” zu sehen, und immer wieder taucht ein Stück des “The Social Network”-Soundtracks auf. Doch auch wenn die Referenzen sehr klar zu erkennen sind, ist “Who Am I” ein neuer und inhaltlich unabhängigen Film.

Auch wenn “Who Am I” dem direkten Vergleich mit “The Social Network” eindeutig nicht standhalten könnte ist die Geschichte packend und unvorhersehbar, die Charaktere sind nachvollziehbar und scharf gezeichnet. Fast alle wichtigen Figuren sind interessant und werden gut gespielt. Man merkt an dem Schauspiel, dass es sich um eine deutsche Produktion handelt. Die Schauspieler, mit Ausnahme von Elyas M’Barek, spielen extrem leise und klein. Die Geschichte ist durchdacht und offenbart noch nach langem Nachdenken einige Feinheiten. Es tauchen Metaphern auf, die mir erst Zuhause, viel Später, aufgefallen sind. Eine klug geschriebene Geschichte.

“Who Am I” wartet sogar mit eine stilistischen Überraschung auf: Die Hacker treffen sich schließlich vor allem online. Sie tauschen sich aus, interagieren mit einander. Um diesen, ja an sich ganz und gar unvisuellen Vorgang, zu visualisieren, haben sich die Macher dieses Filmes eine tolle Bildsprache einfallen lassen. Allein für die Szenen, die im Cyberspace spielen, lohnt es sich ”Who Am I” zu sehen. (8/10)


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