Gone Girl

Gone Girl - Poster“Gone Girl” ist ein Film von David Fincher. Damit reiht er sich in eine Serie von Filmen wie “Fight Club”, “The Game” und dem wunderbaren “The Social Network”.  Dass sich “Gone Girl” mit diesen Filmen messen muss ist natürlich eine sehr große Bürde. Ob gewollt oder nicht, ich sehe Filme stehts in ihrem Kontext, deshalb kann ich “Gone Girl” nicht fair behandeln. Es handelt sich um einen “Fincher”, also muss der Film mir die Schuhe ausziehen und mich umhauen. Ansonsten ist er schon fast eine Enttäuschung.

Es ist erstaunlich, dass “Gone Girl” den ungeheuren Erwartungen standhielt. “Gone Girl” ist natürlich nicht der beste “Fincher”, doch er spielt in der gleichen Liga wie “Fight Club” und “Sieben”. Es ist beeindruckend, wie der Name Fincher einen guten Film nach dem anderen produzieren kann.

Wie ”Fight Club” und “Sieben” ist auch “Gone Girl” mal wieder ein Mindgame-Film. Es geht darum den Zuschauer zu täuschen. Es geht um Wendepunkte, Twists und um die Wahrheit. Das funktioniert hier leider nur teilweise. Denn inzwischen kennen wir Fincher. Nichts ist wie es scheint, und darauf kann man sich verlassen. Ergo weiß der Zuschauer oftmals schon, dass etwas nicht stimmt, nur weil es ihm als die Wahrheit verkauft wird.

Auf der anderen Seite dauert es doch relativ lange, bis der Zuschauer endlich Überblick über die Geschichte erhält. Ich war durchweg interessiert wie es weitergeht. ”Gone Girl” ist durchaus Spannend, obwohl sich über lange Zeit in der Geschichte kaum etwas tut. Auf der anderen Seite gibt es aber auch Passagen, vor allem zum Ende hin, in denen sehr viel geschieht.

Allgemein scheint Fincher bei ”Gone Girl” mehr Wert auf die Figuren und auf deren Machtverhältnisse gelegt haben, als auf die Geschichte. Sowohl der Protagonist, als auch der Antagonist sind sehr interessante Figuren. Beide mit Geheimnissen, die nach und nach gelüftet werden. Beide sind auf ihre Weiße düster und böse. Das ist fesselnd und interessant. Ich kann “Gone Girl” mein Zertifikat für den besten Antagonisten des Jahres ausstellen. Allein dafür lohnt sich die Kino-Karte.

Gone Girl - Rosamund Pike Die Machtverhältnisse zwischen Protagonist und Antagonist verändern sich im Laufe des Filmes immer wieder. Das ist wirklich toll anzusehen und macht den Film immer wieder von neuem interessant. Es geschehen immer wieder Dinge, die unglaublich scheinen, einem aber nicht lächerlich vorkommen. Das macht richtig Spaß.

“Gone Girl” ist ein sehr langer Film, und das merkt man auch. Dieser Punkt ist für mich durchweg positiv. Ich liebe lange Filme. Ich dachte in ”Gone Girl” mehrmals, dass nun das Ende kommt. In solchen Momenten möchte ich immer mehr sehen, möchte länger in dieser Welt verweilen. ”Gone Girl” tut einem den Gefallen und geht immer weiter. Das mag für viele unangenehm und anstrengend sein. Ich liebe das.

Wenn man ”Gone Girl” mit “Fight Club” vergleicht, dann hat es ”Gone Girl” schwer. Das Setting von “Fight Club” ist der Untergrund. Es geht um eine Bande von Männern, die sich heimlich in Kellern treffen und die Welt aufrütteln wollen. Das Setting von ”Gone Girl” ist da weit aus weniger interessant. ”Gone Girl” spielt in einem Vorort und in der Ehe. Die Konflikte sind sehr viel intimer und sehr viel filigraner. Hier werden keine Hochhäuser in die Luft gejagt, kein System gestürzt. In ”Gone Girl” geht es um das Leben zu zweit, um die Liebe, um Zukunftspläne und darum, was die Nachbarn denken.

Doch trotz dem vergleichsweise unspektakulären Setting ist “Gone Girl” ein sehr guter Film. Der Cast ist ein Traum. Vor allem Rosamund Pike ist wirklich beeindruckend. ”Gone Girl” ist stehts spannend, man identifiziert sich sowohl mit dem Protagonisten, als auch mit dem Antagonisten. Es passieren immer wieder Dinge, die einen staunen lassen. Aber das ist ja wenig überraschend. Schließlich ist es ein Fincher. (8/10)


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