Nightcrawler

Nightcrawler - Poster„Nightcrawler“ ist ein Film der weiß was er will. Dieser Film ist unglaublich fokusiert und kann dadurch eine wunderbare Tiefe entwickeln.

Es wird der Protagonist vorgestellt und der Zuschauer verfolgt sein Handeln. Diese Figur haben wir so im Kino noch nicht gesehen, obgleich sie doch sehr einfach ist: Sie tut immer das, was man von ihr erwartet. Sie  muss von mal zu mal schwerwiegendere Entscheidungen treffen, entscheidet sich jedoch immer für die böse, die Erfolgsseite. Die Figur ist also sehr geradlinig und simpel. Das ist die erste Ebene.

Komplexer wird der Film auf der nächsten Ebene: Das Publikum bewertet die Figur immer wieder neu. Wie weit dulden wir das Verhalten dieses Mannes? Erschwerend dabei ist, dass diese Figur unsere einzige identifikationsfigur ist.  Wir verurteilen diesen Mann, gleichzeitig wünschen wir uns, dass er Erfolg hat: Schließlich ist das unser Protagonist.

Auf der nächsten Ebene wird der Film zu Systemkritik. Dieser verachtens- oder bewunderns-werte Mann ist der perfekte Kapitalist. Es gibt in „Nightcrawler“ niemanden, der nicht mit ihm zusammenarbeiten möchte. Die Gesellschaft belohnt ihn für sein Handeln. Er ist wahrlich systemkonform. Wie wir uns zu ihm positionieren ist also gleichbedeutend wie wir uns zu unseren Gesellschaftsordnung positionieren.

Nightcrawler - Poster - Wide

Noch eine Ebene weiter werden wir dann vollends mit einbezogen: Wir das Publikum. In „Nightcrawler“ geht es schließlich um den Film und das Kino selbst. Alles was in diesem Film geschieht ist letztendlich dafür da die Bedürfnisse des Zuschauers zu befriedigen, und damit unser Geld zu bekommen.

Und dann sitzen wir da. In dem Kino-Sessel, Popcorn mampfend und mit unserer Cola in der Hand. Wir, die wir das alles so verachten, sind der Grund für all das. Wir haben das Ticket gekauft um das zu sehen und deshalb geschieht es auch.

Damit sind wir beim Kern des Filmes angelangt. Es ist das Motiv, dass sich in der Handlungsebene, aber auch in der abstrahiertesten Ebene des Filmes zeigt: Der Zuschauer ist niemals nur Zuschauer, der Beobachter ist untrennbar verwoben mit dem Beobachteten.

Ein intelligenter Film, der auch im Nachhinein noch Spass macht. (9/10)


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