1. Handlungsanalyse

Die Handlungsanalyse ist der Erste von vier Schritten für eine umfassende Filminterpretation. Die anderen drei Schritte der Filmanalyse finden Sie hier: Filmanalyse – Überblick

Kenntnis des Filmes sicherstellen
Die Handlungsanalyse wird meist als erstes durchgeführt, da die Handlung meist recht offensichtlich ist. Die Handlung weißt oft schon deutlich auf die eigentliche Aussage des Filmes hin. Nach der Handlungsanalyse hat man also meist einen guten Überblick über den Film. Das ist oftmals eine Voraussetzung für die Analyse der tiefer liegenden Ebenen, wie z.B. die Figurenanalyse oder die Analyse der Normen und Werte.

Charakter- oder Story-Driven
Es ist ratsam zu ermitteln, ob der Film Charakter- oder Story-Driven ist. Ein  Story-Driven Film wäre z.B. Oceans Eleven. In Story-Driven Filmen ist es wichtig, was warum und wann geschieht. Lost in Translation hingegen ist ein Charakter-Driven Film. In Charakter-Driven Filmen geht es darum, wie die unterschiedlichen Figuren die Geschichte vorantreiben und was die Geschichte mit den Figuren macht.

Story
Die Story stellt die Abfolge der Ereignisse dar: Erst stirbt der König, dann die Königin.

Plot
Der Plot beschreibt die Kausalität der Ereignisse: Der König stirbt an Altersschwäche, deshalb stirbt die Königin wenig später aus trauer um ihren Gemahl.

Details
Bei der Handlungsanalyse ist zu ergründen, was wichtig ist und was nicht. Manche Details sind erwähnenswert, manche nicht. Entscheidend ist, ob ein Detail eine Funktion im Film hat oder nicht.

Veränderung oder Einheit des Raumes
Wo spielt die Geschichte? Wechseln die Handlungsorte? Passiert es in der Stadt oder auf dem Land? Auf der offenen Straße oder im Schlafzimmer?

Veränderung oder  Einheit der Zeit
Wann spielt die Handlung? Wie verändert sich die Zeit? Wird ein Tag im Leben eines Taxifahrers gezeigt? Oder handelt es sich um ein Menschheitsgeschichte-Umspannenden Epos?

Erzählzeit
Die Erzählzeit beschreibt wie viel Zeit der Zuschauer für den Konsum des Werkes benötigt. Bei Filmen sind das meist so zwischen 90 bis 180 Minuten. Bei Kurzfilmen oft nur zehn Minuten. Ein Werbespot dauert meistens weniger als 30 Sekunden.

Erzählte Zeit
Die Erzählte Zeit beschreibt im Gegensatz zur Erzählzeit die Zeit, in der sich die Handlung des Werkes erstreckt. Die Erzählte Zeit kann sich, unabhängig von der Erählzeit, von ein paar Stunden, bis zu Millionen Jahren ausdehnen.

Beteiligte Figuren
Welche Figuren sind zu welchem Zeitpunkt an der Handlung Beteiligt? In welche Richtung treiben die einzelnen Figuren die Handlung? Verschwinden Figuren? Wann und wie tauchen neue Figuren auf? Wozu werden die einzelnen Figuren benötigt. Was ist ihre Aufgabe im Film.

Handlungsstränge
Es gibt oftmals mehrere Handlungsstränge. Dabei ist es sinnvoll diese in Haupt-, Neben-, und Rahmenhandlung  zu unterteilen. Es ist zu untersuchen was die einzelnen Handlungsstränge mit einander zu tun haben. Gibt es parallelen? Was unterscheidet die Handlungsstränge? Beeinflussen sich die Handlungsstränge gegenseitig?

Handlungsstruktur / Organisationsprinzip der Handlung
Oftmals folgt die Handlung einer erkennbaren Struktur. Sehr viele Filme folgen einer abgewandelten Form der Dreiakt Struktur oder der Zwei Welten Dramaturgie. Es ist nicht immer einfach zu erkennen was für eine Handlungsstruktur verwendet wird. Doch es ist sehr lohnend sich die jeweilige Struktur des Filmes zu erarbeiten. Dies lässt sich am besten durch das Skizzieren der Handlung mit Stift und Papier bewerkstelligen.

Phasen
Es ist ratsam die Handlung in Phasen einzuteilen. Oftmals sind leicht Phasen von Spannung, Phasen von Entladung und Ruhephasen in einer Handlung zu erkennen. Gibt es möglicherweise eine Steigerung? Ergibt der Film einen Bogen?

Folgende Phasen sind in nahezu jedem Film zu finden:

  • Problementfaltung
  • Steigerung der Handlung
  • Kriese und Umschwung / Wendepunkt
  • Verzögerung und Zurückhaltung
  • Lösung oder Katastrophe

Es ist oftmals sehr ergiebig die Etablierung des Problems mit dem Finale oder dem Ende des Filmes zu vergleichen.

 


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2. Figurenanalyse

Die Figurenanalyse ist ein wichtiger Schritt für die Interpretation eine Filmes. Oftmals ist sie der zweite von vier Schritten in der Filmanalyse. Mehr zu den anderen Schritten: Filmanalyse – Überblick

Es macht Sinn die Figuren in Haupt- und Nebenfiguren einzuteilen. Besonders ergiebig bei der Figurenanalyse ist meist der erste Auftritt der jeweiligen Figur. Da der Protagonist eine der wichtigsten Figur jedes Filmes ist, sollte auf seinen Auftritt besonders geachtet werden. Hier ist meist für die Interpretation sehr viel zu holen.

Protagonisten:
Es handelt sich um einen Protagonisten, wenn die Figur im Wahrnehmungszentrum des Filmes steht, sprich die meiste Leinwand-Zeit hat. Der Protagonist ist die Schlüsselfigur zum Film, er hält die Handlung zusammen. Alles bezieht sich irgendwie auf ihn. Oft ist der Protagonist absichtlich undefiniert und langweilig gehalten. Dadurch bildet er eine Art Leerstelle im Film, in die sich jeder Zuschauer hineinversetzen kann. In diesem Fall kann der Zuschauer den Film durch seine Perspektive erleben. Die meisten Filme werden aus der Perspektive dieser Figur erzählt.

Protagonisten-Paare:
Es kann durchaus mehrere Protagonisten in einem Film geben. Oftmals werden dafür paare Verwendet. Die Protagonisten sind dann manchmal ähnlich aber meist auch sehr gegensätzlich. Z.B.: Dick und Doof, Max und Moritz, Herr und Diener, Star und Fan, Cowboy und Indianer, Vampier und Jungfrau, Schöne und Biest.

Antagonisten:
Der Antagonist ist der Gegenspieler des Protagonisten. Er tut alles, dafür zu sorgen, dass der Protagonist seine Ziele nicht erreicht. Diese Figur muss es nicht in jedem Film geben.

Held / Anti-Held:
Protagonisten sind oft Helden, sind es aber nicht zwangsweise. Ein Held ist positiv und strahlend. Er ist durch und durch gut und bewundernswert. Er ist der Ritter in strahlender Rüstung. Der Anti-Held ist negativ gehalten. Er ist normal oder negativ besetzt. Er ist feige, böse oder ihm ist alles egal. Es gibt auch einige Anti-Helden als Protagonisten.

Figurenkonstellation:
Wie stehen die Figuren zueinander? Es werden oft wiederkehrende Muster verwendet. Z.B.: Individuum gegen Gesellschaft, Frau zwischen zwei Männern, Gruppe gegen Gruppe, Romeo und Julia.

Rollen:
In vielen Genres gibt es klassische Figuren, die in nahezu jedem, dem Genre zugehörigen, Film vorkommen. Das sind dann Rollen. So z.B. im Western: Cowboy, Farmer, Sheriff oder Saloon-Wirtin. Im Film-Noir wäre es z.B. der Detektiv, der Korrupte Politiker oder der Auftragsmörder.

Typen:
Film ist voll von Stereotypen, also Klischees.  Es sind Arten von Figuren, die nicht weiter erklärt werden müssen, da sie schon oft gezeigt wurden. Dazu gehört z.B. der Typ des Gentlemen, Rebell, ewige Verlierer, Super-Action-Held, Sexbombe, Gefährte oder Lehr-Meister. Typen werden oft für Nebenfiguren verwendet, für die man nicht viel Zeit für die Etablierung aufwenden möchte. Durch ihre Einfachheit und ihre Bekanntheit lässt sich mit Hilfe von Typen, in jedem Film und  innerhalb kurzer Zeit, ein großes Figureninventar anlegen. Oft werden Typen auch für den Protagonisten verwendet. In guten Filmen wird der Typ des Protagonisten meist etwas modifiziert um ein etwas komplexeren Charakter zu schaffen.

Dimensionalität und Komplexität:
Man spricht von einer mehrdimensionalen oder komplexen Figur, wenn diesen eine besonders lange Liste an Eigenschaften zugerechnet wird, sie in sich widersprüchlich ist, sie eine Entwicklung durchmacht, also immer dann wenn sie nicht in ein paar wenigen Sätzen vollständig beschrieben werden kann. Solche Figuren brauchen meist viel Zeit im Film um soweit entwickelt zu werden. Das bedeutet, dass nur Hauptfiguren, meist nur die Protagonisten oder der Antagonist so genau beschrieben werden. Nebenfiguren sind meist simpel und eindimensional.

Statisch oder Dynamisch:
Dynamische Figuren machen im Laufe des Filmes eine Wandlung oder Entwicklung durch. Sie verändern sich während des Filmes. Statische Figuren hingegen bleiben immer gleich. Meist sind nur die Protagonisten dynamisch. Nebenfiguren sind meist statisch. Die Entwicklungsrichtung der dynamischen Figuren eines Filmes ist meist sehr ergiebig für die Interpretation.

Setting:
Das Setting einer Figur ist ihre Situierung. Zu welcher Gruppierung gehört die Figur? Zu welcher Gesellschaftsschicht gehört sie? Ist sie arm oder reich, alt oder jung, Mann oder Frau, Land oder Großstadt, Sportler oder Nerd.

Casting:
Es hat eine Bedeutung, welcher Schauspieler für die jeweilige Figur besetzt wurde. Ist es George Clooney oder John Wayne? Ist es Scarlett Johansson oder Jennifer Aniston? Die vorhergehenden Rollen der jeweiligen Schauspieler gehen an diesen nicht unbesehen vorbei. Das kollektive Kino-Gedächtnis vergisst nicht so schnell.

Arten der Charakterisierung:

  • Selbst-Charakterisierungen nimmt die Figur selbst vor. Sie sagt z.B.: “Ich habe in ‘nam gedient”.
  • Fremd-Charakterisierung werden von anderen Figuren ausgesprochen. Z.B.: “Er ist dürben verrückt geworden”.
  • Erzähler-Charakterisierung wird vom Film vorgenommen. Z.B. wird eine Figur immer von Unten und im Schatten gezeigt. Dadurch wird die Figur bedrohlich und geheimnisvoll.

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3. Analyse der Bauformen

Die Analyse der Bauformen ist der dritte Schritt von vieren in der Filmanalyse. In manchen, meist märchen- oder sagenhaften Filmen weißen die Bauformen schon unmissverständlich auf die Message des Filmes hin, in anderen, realistischeren filmen, werden die Bauformen nur latent und unterschwellig verwendet. In einem gewissen Maße sind die Bauformen aber immer wichtig für die Interpretation eines Filmes.

Hier geht es zu den anderen vier Schritten: Filmanalyse – Überblick

Einstellung:
Die Einstellung ist die kleinste Einheit des Filmes. Sie markiert die Zeit zwischen zwei Schnitten.

Einstellungsgröße:
Die Einstellungsgröße hat zwei wichtige Effekte: Wenn die Kamera sich weit weg befindet, also die Einstellungsgröße groß ist, dann ist mehr von der Szenerie, dem Raum zu sehen. Der Zuschauer bekommt Informationen über den Handlungsort. Der zweite Effekte ist, dass sich der Zuschauer auch distanzierter fühlt. Er steckt nicht mitten im Geschehen, sondern bleibt eben ein Zuschauer.

Bei einer Nahaufnahmen, also einer kleinen Einstellungsgröße, ist die Kamera mitten im Geschehen. Es ist zwar weniger zu sehen, dafür sehen wir es genauer. Das erzeugt Spannung, da wie nie wissen, was zwei Meter weiter geschieht. Wir haben nicht den Überblick, den wir in der großen Einstellungsgröße hätten. Dafür verbindet und identifiziert sich der Zuschauer mehr mit dem Gezeigten. Die Distanz zwischen Zuschauer und Film wird kleiner.

Dieser Effekt, der entweder emotionale Nähe oder eben Distanz für den Zuschauer schafft, wird oft für die Charakterisierung einer Figur verwendet. Protagonisten werden häufig näher und in kleineren Einstellungsgrößen gezeigt, als Antagonisten.

Perspektive:
Die Perspektive beschreibt, wo sich die Kamera relativ zum Gefilmten befindet. Den größten Effekt dabei hat die Höhe der Perspektive. Eine Aufnahme von Oben, die Vogelperspektive lässt das Gezeigte kleiner werden. Es ist überschaubar, beherrschbar. Eine Einstellung von Unten hingegen lässt das Gezeigte schwer und groß wirken. Es wirkt unüberschaubar und bedrohlich.

Diese Effekte werden häufig bei Aufnahmen von Figuren oder Gebäuden verwendet. Beachtet man Perspektive und Einstellungsgröße, so lassen sich oft schon recht gute Charakterisierungen von Figuren anfertigen.

Subjektive Kamera:
Manchmal wird eine Handlung direkt aus der Sicht einer Person gezeigt. Dadurch wird eine maximale Identifikation des Zuschauers mit der Figur bewirkt. Der Zuschauer ist die Figur. Besonders reizvoll ist diese Perspektive bei einer Figur einzusetzen, mit der sich der Zuschauer eigentlich nicht identifizieren möchte.

Zum Beispiel: In “Das Schwiegen der Lämmer” wird der Zuschauer kurz zu dem psychisch kranken Serienmörder. Der Zuschauer seiht aus seiner Perspektive, wie er den Protagonisten verfolgt um diesen zu töten.

Einstellungslänge:
Die Einstellungsläge beschreibt die Zeit wie lange nicht geschnitten wird. Sie beeinflusst sehr stark unsere Wahrnehmung von Dynamik. Eine Sequenz, in der nichts passiert könnte man als statisch bezeichnen. Wenn aber immer wieder die Kameraperspektive geändert und jede Sekunde um geschnitten, sprich die Einstellungslänge ist kurz, dann würden wir die Sequenz als sehr dynamisch wahrnehmen. Dieses Phänomen machen sich vor allem Action-Filme und Musik-Videos zu nutze.

Formalspannung und Schnittfrequenz:
Die Formalspannung ist abhängig von der Einstellungslänge oder Schnittfrequenz. Man rechnet Formalspannung = Schnitte / Zeit. Je höher die Zahl, desto “schneller”, spannender und dramatischer ist der Film an diesem Punkt. Durch diesen Wert lassen sich oftmals Dramaturgische Veränderungen und Rhythmen im Film ausmachen.

Handlungs- und Wahrnehmungsachse:
Die Wahrnehmungsachse besteht immer zwischen Zuschauer und Leinwand. Meistens schaut der Zuschauer senkrecht auf die Leinwand. Die Handlungsachse hingegen verändert sich immer. Oftmals ist sie gleich mit der Wahrnehmungsachse des Protagonisten. Schaut er vom Zuschauer weg? Schaut er nach rechts oder links?

Besonders interessant ist es wenn die Handlungsachse und die Wahrnehmungsachse des Zuschauers gleich sind. In diesem Fall schaut die Figur dem Zuschauer in die Augen. Die vierte Wand wird durchbrochen. Die Figur weiß, dass sie eine Figur in einem Film ist und interagiert mit dem Zuschauer. Z.B.: Magnolia, This is England.

Montage:
Unter Montage versteht man die Anordnung und damit die Verbindung von mehreren Einstellungen. Als erstes ist zwischen Parallel- und sequenzieller Montage zu unterscheiden. Parallelmontagen zeigen zwei oder mehrere Handlungsstränge gleichzeitig. Es werden entweder mehrere verschiedene Orte oder mehrere unterschiedliche Zeitabschnitte gleichzeitig gezeigt.

Erstes Beispiel: Bewaffnen sich die Bankräuber auf dem Parkplatz, währen in der Bank ein Kunde etwas auf sein Konto einzahlen möchte. Zweite Beispiel: Der Detektiv findet Spuren an einem Tatort, während gleichzeitig die eigentliche Tat, die sich hier zugetragen hat, gezeigt wird. In dem einen Fall werden zwei Unterschiedliche Orte zu gleichen Zeit gezeigt, im anderen Fall wird der gleiche Ort zu unterschiedlichen Zeiten gezeigt.

Eine Weitere interessante Montageform ist die Planseqzuenz. Hier wird ohne zu schneiden eine Handlung über einen längeren Zeitraum gezeigt. Bei Magnolia wird ein Junge über mehrere Minuten hinweg durch einen Fernsehsender geführt. Die Kamera folgt ihm ohne einen Schnitt.

Musik und Geräusche:
Sowohl Musik alsauch Geräusche lassen sich so vielseitig für die Generierung von Atmosphäre oder das filmische Erzählen nutzen, dass ich hier nicht weiter darauf eingehen kann. Nur ein paar Beispiele: In “Forrest Gump” gibt die Musik, die viel aus bekannten Songs besteht, Informationen über die jeweilige Zeit.

In den “Star Wars”- oder “Herr der Ringe”-Filmen werden für allerlei Figuren oder Themen im Film bestimmte Musik-Stücke und Melodien geschaffen. Immer wenn eine der Figuren auftritt oder ein Thema angesprochen wird, so beginnt die Filmmusik die spezifische Melodie mal offensichtlich, mal latent einfließen zu lassen. Die Musik untermahlt hier präzise die Geschehnisse, fügt aber nichts neues hinzu.

In “A Clockwork Orange” spielt Kubrick klassische Musik zu Aktion- und Gewalt-Szenen. Die Musik untermahlt nicht das geschehene, sondern sorgt für einen Kontrast. Sie sorgt für Irritation beim Zuschauer und gibt dem gezeigten eine weitere Dimension. Hier fügt die Musik etwas neues zu der Erzählung hinzu.

Raum:
Als aller erstes sollte man zwischen Innen- und Außenräumen unterscheiden. Raum definiert sich durch seine Grenzen. Das wichtigste sind also die Wände, Boden und Decke. Ist der Raum groß und frei oder engt er ein, erstickt einen fast. Hängt die Decke tief oder hat man Platz bis zum Himmel. All das lässt sich wunderbar einsetzen um Atmosphäre zu generieren. Es ist Oft ergiebig zu analysieren, wo sich die Figuren im Verhältnis zueinander im Raum befinden.

Licht:
Der Einsatz von Licht wird oft zur Erzeugung einer gewissen Atmosphäre verwendet. Dabei sind vier Parameter wichtig: Position, Intensität, härte und Farbe. Kommt ein schwaches Licht z.B. von Unten, wirft harte Schatten und ist eher rötlich, so hat es eine entstellende Wirkung. Alle Menschen sehen wie Monster aus, das Rot erinnert an Blut und man verliert, wegen des mangels an Licht, den Überblick. Meistens wird Licht jedoch subtiler eingesetzt.

Farbe:
Farben können in Filmen zentral eingesetzt werden. Gibt es Fraktionsfarben? Gibt es Farbsymboliken? Werden verschiedene Welten durch ihre Farbgebung getrennt? Es lässt sich wenig allgemein zu der Verwendung von Farben in Filmen sagen. Die Farbbedeutung muss immer am Werk selbst gelöst werden. Dabei ist aber zu beachten, dass Farben sehr viele Bedeutungen haben können. Weiß z.B. kann für Tod, aber auch für Unschuld stehen. Grün kann für Hoffnung stehen, aber auch Natur.


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4. Filminterpretation

Die Analyse der Werte und Normen steht ganz am Ende der Filmanalyse. Sie basiert auf den drei vorhergehenden Schritten der Filmanalyse: Filmanalyse – Überblick

Das bisher angesammelte Wissen über den Film wird nun für die eigentliche Interpretation verwendet. Es ist daher unabdingbar, sich zuvor mit dem Film beschäftigt zu haben. Was sind die Werte und Normen des Filmes? Was stellt er als anstrebenswert dar? Was wird böse und schlecht dargestellt? Worauf weißt die Handlung? Worauf weißen die Figuren und ihre Entwicklung? Was wird durch die Bauformen zum Ausdruck gebracht?

Es gibt viele Methoden zur letztendlichen Interpretation. Hier die vier wichtigsten Herangehensweisen für eine Film-Interpretation:

Die Literatur- und Filmhistorische Interpretation: 
Hier geht es darum den Film in seinem Kunsthistorischen Kontext zu sehen. Was verbindet diesen Film mit anderen Filmen? Was sind die Parallelen, und was die Unterschiede zu anderen Filmen? In wie weit verweißt der Film auf andere Werke? Wie behandelt er diese? Werden andere Werke kritisiert, parodiert oder geehrt? Sollte es sich um einen mehrteiligen handeln, so lassen sich die unterschiedlichen Teile miteinander vergleichen. Wie Entwickelt sich z.B. John McClane in den fünf Stirb Langsam Teilen? Und was bleibt in allen fünf Teilen gleich? Basiert der Film möglicherweise auf einer Buchvorlage? Handelt es sich um ein Remake? In diesen Fällen würde sich ein Vergleich mit der ursprünglichen Quelle anbieten.

Die biographische Filminterpretation:
Bei der biographische Filminterpretation geht es um den Vergleich der verschiedenen Filme des gleichen Regisseurs oder Filmemachers. Dabei ist aber immer zu beachten, dass der Regisseur möglicherweise gar keine großen Freiheiten beim Dreh hatte. Die biographische Filminterpretation bietet sich also nur bei Regisseuren und Filmemachern an, von denen man weiß, dass sie einen großen Einfluss auf den Film hatten. Diese Methode bietet sich als vor allem bei Autorenfilmen und sehr einflussreichen Regisseuren an.

Es stellen sich die Fragen, wie der Film im Kontext der Biographie und den anderen Werken des Filmemachers steht. Zieht sich ein roter Faden durch seine Werke? In wiefern unterscheiden sich seine Filme voneinander und in wiefern sind Gemeinsamkeiten zu erkennen? Wie und wohin entwickelt sich das Lebenswerk dieser Person?

Die soziologische Filminterpretation:
Hier geht es darum den Film in seinem gesellschaftlichen Kontext zu sehen. Welche Probleme werden Behandelt und tauchen diese auch in der Gesellschaft zu dieser Zeit auf? Z.B. die Vietnam-Filme. Es ist aber zu beachten, dass aktuelle Probleme oftmals nicht offen angesprochen werden. Stattdessen werden die Themen verfremdet und maskiert, bevor man sich an ihnen abarbeitet. Ein gutes Beispiel wäre z.B. die Entwicklung von Godzilla in Japan. Am Anfang als Symbol der Atombombe und der Gefahr, später als Beschützer der Menschheit vor der Katastrophe.

Die genrespeziefische Filminterpretation:
Bei der genrespeziefische Filminterpretation wird der Film im Kontext der anderen Filme seines Genres gesehen. In wie weit verändert der Film das Genre? Gibt es Unterschiede zu den anderen Filmen seines Genres oder bleibt alles beim alten? Wie entwickelt sich das Genre? Ein gutes Beispiel dafür ist die Entwicklung der Darstellung von Indianern im Western-Genre. Waren sie am Anfang noch die wilden Ungeheuer, welche wie die Wölfe dem Helden auflauerten und seine Frau entführten, so entwickelten sie sich ganz langsam hin zu ihrer, wohl historische korrekteren, Opfer Rolle. Waren sie früher noch wild, unzivilisiert und böse, so gelten sie heute als ehrlich, naturverbunden und weise. Die wahrlich zivilisierten.


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Zwei Welten Dramaturgie

Die Zwei Welten Dramaturgie wird häufig von sagen- und märchenhaften Filmen verwendet. Allgemein lässt sich sagen, dass diese Dramaturgie recht oft zu Einsatz kommt. Bei diesem Modell startet unser Protagonist in seiner vertrauten Heimat-Welt. Dorothy lebt in Kansas, William Turner ist in seiner Schmiede, Walter Mitty arbeitet im Archiv.

Zu diesem Zeitpunkt besteht schon ein latentes, verstecktes Problem. Dorothy ist Zuhause nicht glücklich, William Turner liebt Elisabeth Swan und Walter Mitty liebt seine Kollegin. Unsere Protagonisten sind zwar unglücklich, sehen aber keinen Grund ihre Lage zu ändern.

Es bahnt sich ein weiterer Konflikt an, den die Protagonisten aber nicht lösen möchten. Lieber wollen sie, dass alles bleibt wie es ist. Sie wollen, dass das Unwetter vorbei zieht. Dorothy will ihren Hund nicht hergeben, William Turner will kein Pirat sein, und Walter Mitty möchte in seinem Archiv bleiben.

Doch nun gibt es eine weitere Verschärfung der Situation und unser Protagonist muss nun doch aufbrechen. Dorothys Hund soll ihr weggenommen werden, William Turners geliebte Elisabeth wird von Piraten entführt und Mitty fehlt ein wichtiges Bild in seinem Archiv. Durch diese Verschärfung des Konflikts, sehen unsere Protagonisten nun doch ein, dass sie handeln müssen.

Doch bevor der Protagonist in die andere Welt hinüber geht, wird er zurückgehalten. Ein Schwellen-Werter spricht eine Warnung aus. Dorothy rennt mit ihrem Hund davon und trifft einen reisenden Wahrsager. Er mahnt sie bei ihrer Familie zu bleiben, da ein Unwetter aufzieht. William Turner wird von Jack Sparow nach dem Degen-Kampf vor den Piraten gewarnt. Walter Mitty wird von seiner Schwester ermahnt, dass er seiner Mutter helfen soll, das Klavier herunter zu tragen.

Doch alle unsere Protagonisten entscheiden sich gegen den Rat und treten ein in die zweite Welt.  Dorothy kommt in das bunte Wunderland, das von der bösen Hexe bedroht wird. William Turner betritt die Bucht Tortuga, die Welt der Piraten. Walter Mitty bricht zu einer Reise um die Welt auf, um das fehlende Foto zu finden.

In dieser zweiten, unvertrauten Welt müssen unsere Protagonisten nun allerlei Prüfungen be- und überstehen. Sie werden wieder und wieder mit Problemen konfrontiert, welche sie lösen müssen. An jedem dieser Probleme wachsen sie. Dorothy trifft ihre neuen Freunde und hilft ihnen. William Turner besteht in der Welt der Piraten, und Walter Mitty hangelt sich von Hinweis zu Hinweis bei der Suche nach dem Foto.

Doch die Protagonisten vollziehen nicht nur eine äußere Reise, sie ändern sich auch im Inneren. Sie entwickeln sich mit jeder Aufgabe weiter und arbeiten an ihrem ursprünglichen Problem. Dorothy vermisst immer mehr ihr Zuhause, William Turner kommt Elisabeth immer näher und erfährt wer sein Vater ist. Walter Mitty traut sich immer mehr zu und steigert sein Selbstbewusstsein. Sie vollziehen eine innere und eine äußere Reise.

Am Ende kommen alle unsere Protagonisten wieder Zuhause an. Sie haben in der anderen Welt viel erlebt und viel gelernt. Durch ihre äußere Reise haben sie den äußeren Konflikt bewältigt. Doch viel wichtiger: Durch ihre innere Reise, ihre Entwicklung, haben sie auch das latente, schon am Anfang existierende Problem gelöst. Dorothys Hund kann nun doch bei ihr bleiben und sie kann ihr Zuhause wieder schätzen. William Turner hat Elisabeth vor den Piraten gerettet und dabei ihr Herz gewonnen. Walter Mitty hat das Foto gefunden und es in das Archiv zurück gebracht. Außerdem hat er sein Selbstbewusstsein durch seine Erlebnisse so gesteigert, dass er mit seiner Kollegin zusammen kommt.

Am Ende sind alle wider zuhause. Doch das Zuhause ist nun ein anderes, da sich die Protagonisten innerlich verändert haben. Am Ende haben sie sowohl das manifeste, als auch das latente Problem gelöst.


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Drei Akt-Struktur

[Rahmen]

1. Akt
Status Quo
Initialer Auslöser
Warnung / Weigerung
(Gabe)
Weitere Auslöser
Wendepunkt I
Berater
Schwellen-Werter
Schwelle zu unbekannter Welt
Beginn innerer und äußerer Reise

Ersten Prüfung
Etablierung Deadline
Bestehen weiterer Prüfungen
Bewegung Hin
Zentraler Wendepunkt

2. Akt
Bestehen weiterer Prüfungen
Bewegung Zurück
Selbsterkenntnis
Wendepunkt II
Schwelle zur vertrauten Welt

3. Akt
(Belohnung)
(Lagebericht)
Neue Aufgaben
Finale Auseinandersetzung
(Last minute rescue)
Auflösung
Belohnung
Neues Bewusstsein
Epilog

[Rahmen]


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Fünf Akt-Struktur

[Rahmen]

1. Exposition
Status Quo
Initialer Auslöser
Warnung / Weigerung
Weitere Auslöser
Wendepunkt I
Berater
Schwellen-Werter
Schwelle zu unbekannter Welt
Beginn innerer und äußerer Reise

2. Steigerung
Über / Bestehen der ersten Prüfung
Etablierung Deadline
Bestehen weiterer Prüfungen
Bewegung Hin

3. Zentraler Wendepunkt

4. Zurückhaltung / Hemmung
Bestehen weiterer Prüfungen
Bewegung Zurück
Selbsterkenntnis
Wendepunkt II
Schwelle zur vertrauten Welt
(Belohnung)
(Lagebericht)

5. Lösung / Katastrophe
Neue Aufgaben
Finale Auseinandersetzung
(Last minute rescue)
Auflösung
Belohnung
Neues Bewusstsein

[Rahmen]


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The Secret Life of Walter Mitty

The Secret Life of Walter Mitty - PosterBen Stiller ist ein sehr erfolgreicher Schauspieler, doch ich habe seine Filme nie wirklich gemocht. Zu simpel, oftmals dumm und kitschig. Es sind Filme für ein möglichst großes Publikum, unpersönlich und nahezu maschinell nach dem “Schema-F” konstruiert. Er war an unglaublichen 117 Filmen als Schauspieler beteiligt. Doch was ich bisher nicht wusste: Ben Stiller stand auch schon öfter hinter der Kamera. Es sind insgesamt 4 Kinofilme, bei denen er Regie führte. Keiner von ihnen war ein großer Erfolg, sie wurden von Kritikern und Publikum nicht sehr gut angenommen.

Deshalb hat mich der Trailer zu “The Secret Life of Walter Mitty” auch so überrascht: Wunderbare Bilder, ein toller Soundtrack. Trotzdem, dass Ben Stiller Regie führte und den Protagonisten spielt, waren meine Erwartungen hoch. Und sie wurden nicht enttäuscht. “Mitty” ist ein wirklich guter Film.

Eine Sache, die “The Secret Life of Walter Mitty” sehenswert macht, ist der von Ben Stiller perfektionierte Protagonist. Ben Stiller ist einer dieser Schauspieler die immer die gleiche Rolle spielen. Das mag zwar bei Will Smith oder Jason Statham langweilig werden, kann aber auch wie bei Jim Carry oder eben Ben Stiller zu einer immer besseren Darstellung der Rolle führen. Ben Stiller hat die Rolle des liebenswerten, introvertierten und wenig beachteten Außenseiters nahezu perfektioniert. Niemand hätte die Figur des Walter Mitty besser darstellen können als er.

In der Handlung von ”The Secret Life of Walter Mitty” geht es um die Photographie. Aus diesem Grund wurde bei diesem Film viel Wert auf die Komposition und die Gestaltung der Bilder gelegt. Das Resultat ist beeindruckend! Man könnte beinahe jede Einstellung des Films auf ein Plakat drucken und aufhängen. Ich empfehle euch: Schaut euch den Trailer an und pausiert hin und wieder. Jedes Bild sieht aus wie eine durchkomponierte Fotografie. Das macht Spaß, vor allem weil diese Form auch innerhalb der Geschichte Sinn macht. (Trailer)

In ”The Secret Life of Walter Mitty” geht es um Walter, ein Archivar in New York. Der Film beginnt in der grauen Großstadt, in seinem grauen Alltag. Doch dann begibt sich Mitty auf eine Reise und verändert sich. Es ist eine klassische Reise des Helden: Diese Jahrtausende alte Erzählstruktur hat so lange überlebt, weil sie funktioniert, und das tut sie auch hier. Das liegt daran, weil sie hier einerseits akkurat  umgesetzt wurde, auf der anderen Seite aber auch modifiziert wurde, um spannend zu bleiben.

Wenn ein Film gut sein soll, dann kommt es meiner Meinung nach sehr auf den Soundtrack an. Das scheint mir oftmals sogar wichtiger als eine gute Geschichte. “Mitty” hat einen wunderbaren Soundtrack. Das Lied “Space Oddity” nimmt einen Zentralen Platz in der Geschichte ein. Der Soundtrack spielt nicht nur im Hintergrund, sondern ist wie bei Kubrick ein zentraler Teil des Filmes und der Erzählung. Der Soundtrack zu ”The Secret Life of Walter Mitty” wird höchst wahrscheinlich seinen Platz auf meinem MP3-Player finden und so manche Szene wird mir, danke des Soundtracks, noch lange in Erinnerung bleiben. (Bsp: Dirty Paws / Step Out / Stay Alive)

“The Secret Life of Walter Mitty” ist ein Film über eine große Reiße. Es geht darum, sein Leben selbst in die Hand zu nehmen, auszubrechen, sich selbst zu finden und das zu tun, das einem gut tut. Auch wenn das alles nicht sehr revolutionär und neu ist, ist es dennoch sehenswert. Denn die Umsetzung ist grandios. Die Geschichte, der Protagonist, der Schauspieler, die Bilder, der Soundtrack, alles passt hier zusammen und ergibt einen wunderbaren Film. Einer der wenigen Feel-Good-Movies, der auch mir gefällt. (8/10)


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Auge um Auge

Auge um Auge - PosterAuch wenn ich normaler Weiße nichts mit Rache-Filmen anfangen kann, so hat mir “Auge um Auge” danke seiner tollen Umsetzung sehr gut gefallen. Es ist ein sehr Zurückgewandter Film. Ein Film der ganz den alten Zeit nachtrauert, sowohl in Inhalt als auch in Form. Und auch wenn meine Einstellung das Gegenteil von konservativ ist, so werde ich trotzdem gepackt, von diesem Film und  seinem melancholischen Blick zurück auf die alte Zeit.

So wurde “Auge um Auge” tatsächlich noch auf Film gedreht. Dadurch werden die Farben stärker und man spürt den Flair der vergangenen Zeiten des Kinos. Es ist kein aufdringlicher Effekt, doch er wirkt. Dazu kommt die langsame und figurenbezogene Erzählweise des Films. Es gibt nur drei wirklich wichtige Personen in “Auge um Auge”: Die Brüder Baze und der Antagonist. Es sind nur diese drei Personen, auf die sich der ganze Film bezieht, durch die er sich definiert. Das funktioniert wunderbar, da alle drei Figuren genügend Zeit haben sich voll zu entfalten.

Auch der Inhalt des Films scheint sehr Vergangenheitsbezogen. Er spielt in einer kleinen Stadt in den USA, im Nirgendwo, weit weg von den schillernden Metropolen. Die erste Szene des Films findet in einem Autokino statt. Überall altmodische, amerikanischen Geländewägen. Man denkt instinktiv an die Siebziger, als es noch Autokinos gab, und diese Autos modern waren. Doch in der nächsten Szene sieht man im Hintergrund auf einem alten Fernseher eine Rede Obama’s. Dieser Film spielt in der Gegenwart. Doch der Ort und die Leute in dieser Region haben sich über die letzten Jahrzehnte scheinbar kaum verändert.

Der Protagonist arbeitet in einem Stahlwerk. Es ist eine alte, archaische Industrie. Doch nicht nur das: Im Kino ist das Stahlwerk ist seit 1978 von dem Film “The Deer Hunter” mit einer großen Bedeutung belegt. Es ist ein alter Film, ein Film über den Vietnamkrieg. Auch in “The Deer Hunter” arbeitet der Protagonist zu Anfang in so einem Stahlwerk. Doch dann geschieht die Katastrophe: Er wird einberufen. Er und die Welt um ihn herum werden durch Vietnam verändert. Und als er wieder nach Hause kommt ist nichts mehr so wie es war.

“Auge um Auge” hat eine ganz ähnliche Struktur: Dem einen der beiden Brüder widerfährt ein Unglück und der andere wird in den Irak geschickt. Beide erleben eine Katastrophe und als sie zurückkehren ist nichts mehr so wie es war. Die Anlehnung von “Auge um Auge” an “The Deer Hunter” von 1978 wird noch offensichtlicher, als der eine der beiden Brüder mit seinem Onkel “Hirsche jagen” geht.

Dieser Film ist eine Ehrung der Vergangenheit. Doch gleichzeitig zeigt er wundervoll die Vergänglichkeit des alten. So war die Heimatstadt der beiden Brüder mal eine Wirtschaftsmetropole. Heute stehen fast nur noch Ruinen. Nur das Stahlwerk ist noch in Betrieb. Vor vielen Jahren arbeitete hier schon der Vater der Protagonisten. Doch dieser liegt nun im Sterben und das Stahlwerk wird bald geschlossen. In “Auge um Auge” verschwindet die Vergangenheit und nichts bleibt zurück.

Es ist ein toller Film: Christian Bale, Woody Harrelson und Casey Affleck spielen leise und doch ungeheuer stark. Die Geschichte fesselt und die Bilder faszinieren. “Auge um Auge” ist vielschichtig, aber in seiner Aussage nicht vollkommen festgelegt. Ein Film zum Fühlen und Denken. Wem das gefällt, der sollte “Auge um Auge” gesehen haben. (8/10)


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Lego The Movie

Lego The Movie - PosterDie Trailer von “Lego The Movie” sahen ungeheuer vielversprechend aus. Grandiose 3D-Animation, lustige Charaktere fetzige Dialoge und Referenzen an Popkultur soweit das Auge reicht. Und das Tolle: “Lego The Movie” liefert auch all das ab. All die kleinen Einzelteile funktionieren. Doch im Großen und Ganzen hat der Film seine Schwächen.

Zu erst einmal ist “Lego” technisch beeindruckend gut gemacht. Auch wenn es sich um 3D-Animation handelt, die vollständig am Computer entstanden ist, übernimmt der Film den Stil der endlos vielen Lego-Stop-Motion-Videos die seit Jahren im Internet kursieren. Alles ist aus Lego gebaut und trotzdem fühlt sich diese Welt lebendig an. Denn anders als mit echtem Lego lassen sich hier klasse Effekte kreieren. So sind z.B. Explosionen oder auch der Wellengang des Meeres aus ungeheuer vielen Lego-Steinen gebaut. Man sieht zwar durchgehend die gleichen “Lego-Gesichter”, die sich wie bei Stop-Motion ruckartig bewegen, doch man kann die fundamentale Mimik trotzdem gut lesen. Mehr als das: Durch die tollen Sprecher werden die Figuren durchaus Menschlich und man kann sich mit diesem Spielzeug tatsächlich identifizieren.

Dazu kommt, dass die Charaktere durchaus scharf gezeichnet sind. Die unterschiedlichen Eigenschaften der Charaktere werden einem schnell ersichtlich und sie werden konsequent weitergeführt. Der Film zieht dabei einen großen Teil seines Humors aus den seltsamen Gewohnheiten der einzelnen Figuren. Der coole Batman mit seiner tiefen Stimme, der inkompetente Protagonist oder das krankhaft positiv denkende Pony. Und all diese wunderlichen, zuweilen albern und überdrehten Charaktere begeben sich auf eine gemeinsame Reise.

All das sorgt für durchweg spannende und vor allem lustige Unterhaltung. Dabei wird dann aber alles auch wieder so übertrieben, dass es sowohl den Action-hungrigen Kindern, als auch den Ironie-begeisterten Erwachsenen gefällt. Denn wenn es dem Film an einem nicht fehlt, dann ist es Ironie und vor allem Selbstironie.

Lego The Movie - BreitbildDoch so lustig der Film in seinen einzelnen Szenen auch sein mag, so toll er auch aussieht und so unterhaltsam er ist, so hat er im Ganzen doch ein paar größere Probleme:  All das gibt im Ganzen gesehen wenig Sinn. Die offensichtliche Message, dass man Kreativ sein soll und sich nicht von der Diktatur der “Anleitung” beherrschen lassen soll ist zwar schön, ergibt aber aus dem Munde von Lego keinen Sinn. Der Kampf gegen “Lord Business” mag zwar zu Anfang wie ein Kampf gegen da Kapital scheinen, hat aber in Wahrheit damit gar nichts damit zu tun. Denn dieser “Lord Business” hat mit Kapitalismus nichts am Hut. Um Profit geht es ihm nie.

Auch der (wahrscheinlich wegen der aktuellen Prisanz) angedeutete Überwachungsstaat wird nie weiter behandelt. Die gezeigte Dystopie ist in wahrheit gar keine, und die Beweggründe des Bösewichts werden nie erklärt. Zwar wird am Ende noch eine andere Ebene der Realität eingeführt, doch diese passt dann nichtmehr mit der eigentlichen Geschichte zusammen. Kurz gesagt: Der Film gibt einem viele Möglichkeiten zur Interpretation, es gibt immer mehrere Ebenen, doch am Ende macht nichts davon Sinn.

Und so wie den Film im Ganzen nichts zusammenhält, so verbindet auch die einzelnen Kapitel des Films nicht viel. Die bunte Truppe reißt von einer spaßigen Welt zur nächsten, erlebt ein Abenteuer nach dem anderen. Das ist wunderbar unterhaltsam und sieht toll aus. Doch mehr leider auch nicht. (7,5/10)


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